Geschäftsverbindungen zu jüdischen Firmen auch mit dem „Kaufhaus des Westens" nur noch die Restgeschäfte abwickeln wollte 348 .
Ebenfalls im April 1938 wurde bekannt, daß die Bremer Filiale der „Bottina" Schuh Ges. m.b.H. mit der Berliner Zentrale und weiteren 18 Filialen an die arische Firma Conrad Tack verkauft werden solle 350 . Die bremischen Parteidienststellen wandten sich dagegen, da es sich bei Tack um einen Großkonzernbetrieb mit 160 Filialen handele und bei Arisierungen die Interessen des Mittelstandes zu wahren seien. Nur vom ersatzlosen Verschwinden der „Bottina"-Filiale könne der kleinere Schuhhandel profitieren 351 . Auch die Mitarbeiter des Bremer Geschäftes meldeten sich zu Wort; sie hielten Konkurrenzneid für das Motiv des Kaufinteressenten und plädierten aus Sorge um ihre Arbeitsplätze für die Erhaltung der „Bottina"- Niederlassung 352 .
Die endgültige Entscheidung über das Schicksal der jüdischen Firma ließ lange auf sich warten, da sich das Reichswirtschaftsministerium mit den unterschiedlichen Interessen der Partei- und Wirtschaftspolitik und den Wünschen der beteiligten Firmen auseinandersetzen mußte. Schließlich war die „Bottina"-Gesellschaft der Verlierer. Ende August 1938 wurde die Liquidierung angeordnet mit der Begründung, eine Übernahme durch den Konzern Tack sei trotz bereits abgeschlossener Kaufverträge aus volkswirtschaftlichen Erwägungen nicht möglich, ein Weiterbestehen des jüdischen Unternehmens nicht nötig angesichts des starken nichtjüdischen Schuhhandels 353 . Damit war zunächst auch das Schicksal der ehemals florierenden 354 Bremer Zweigniederlassung besiegelt 355 . Auf Reichsebene gesehen, war in diesem Fall ein Arisierungsversuch zur völligen Ausschaltung gediehen.
Probleme bei den „ Arisierenden"
Es zeigte sich auch in Bremen, daß die Übernahme jüdischer Geschäfte vorerst fast immer mit einer finanziellen Belastung des neuen Besitzers verbunden war. Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen wurden die Betriebe von Kaufleuten oder Handwerkern übernommen, die sich zum ersten Mal selbständig machen oder ihren bisherigen Gesrhäftsumfang vergrößern
349 Schreiben der Gesellschaft für Spinnerei und Weberei, Ettlingen, vom 28. 6. 1938 und Antwort der Kreisamtsleitung (ebd.).
350 Schreiben des NSDAP-Kreisamtes vom 7. 4. 1938 (ebd.).
351 Schreiben des Kreisamtsleiters vom 11.4. 1938 an den Gauwirtschaftsberater (ebd.).
352 Schreiben der Mitarbeiter der „Bottina"-Filiale vom 9. 4. 1938 (ebd.).
353 Schreiben der Gauleitung Berlin vom 24. 8. 1938 an den Gauwirtschaftsberater des Gaues Weser-Ems (ebd.).
354 Der Jahresumsatz soll RM 600 000,— betragen haben (vgl. Anm. 351).
355 Nach dem Protokoll einer Besprechung der an der Durchführung der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben beteiligten Stellen vom 24. 11. 1938 war die „Bottina" Schuh Ges.m.b.H. eine der drei geplanten Ausnahmen. Danach muß das Geschäft noch bestanden haben. Vgl. Anm. 374.
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