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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
Entstehung
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Der Geschäftsinhaber mußte sich schließlich mit einer Umbenennung in Cigarrenversand Brema Maximilian Cohn" einverstanden erklären 298 . Nachdem auch die Zustimmung etlicher Behörden und Parteistellen vorlag, wurde der ganze verwaltungstechnische Aufwand mit der Eintragung der Änderung ins Handelsregister abgeschlossen.

Die Erschwerung von Auslandsreisen

In Bremen wurden einige Kaufleute in der Ausübung ihrer Geschäfte empfindlich getroffen, als sich im Herbst 1936 herausstellte, daß Pässe für Nichtarier nur noch mit sechsmonatiger Gültigkeit ausgestellt wurden, über­rascht von der neuen Bestimmung wandte sich der Kaufmann Erich Benz 294 , der ein Exportgeschäft für Trinkhalme und andere Produkte einer Stroh­verwertungsgesellschaft betrieb, an die Handelskammer. Auch sie war offensichtlich noch nicht über neue Paßregelungen informiert. Sie setzte sich unter ausführlicher Darlegung der geschäftlichen Notwendigkeiten dafür ein, daß Benz ein Paß auf fünf Jahre ausgestellt werde. Ihrer Erfahrung nach sprachen dafür auch andere Gründe: Inhaber von kurzfristigen Pässen mußten im Ausland mit Sonderbehandlung rechnen, z. B. mit Verhören bei der Einreise, erweckten bei Vorlage des Passes überall einen ungünstigen Eindruck und hatten weitere Nachteile in Kauf zu nehmen 295 .

Die angesprochene Behörde war diesen Argumenten gegenüber aufge­schlossen und befürwortete eine Verlängerung 296 . Die senatorische Dienst­stelle entschied:Unter Berücksichtigung der durch hiesige Handelskammer gegebenen Begründung soll für den Kaufmann Erich Benz ein deutscher Reisepaß mit einer Geltungsdauer von einem Jahre ausgefertigt werden." 297

Ein kleiner Erfolg also, der die Kammer zu einem ähnlichen Antrag für einen anderen jüdischen Kaufmann veranlaßte 298 . Doch wurde fast zwei Monate später mitgeteilt, die Anträge könnten doch nicht genehmigt werden, da der Politische Polizeikommandeur der Länder verfügt habe,die Gel­tungsdauer der Pässe für Juden fortan grundsätzlich auf 6 Monate zu be­schränken" 299 .

293 Schreiben des Rechtsanwalts vom 13. 8. 1936 an das Amtsgericht, Abt. Handels­register (ebd.).

294 Erich Benz*, früher Benjamin, wurde knapp zwei Jahre später durch Gestapo- Schikanen zum Selbstmord getrieben, seine Firma im Sommer 1939 gewisser­maßenzwangsarisiert".

295 Schreiben vom 10. 9. 1936 an die Behörde für Schiffahrt, Handel und Gewerbe (Qu. 66).

296 Schreiben der Behörde für Schiffahrt, Handel und Gewerbe vom 14.9. 1936 (ebd.).

297 Schreiben des Sen. für die innere Verwaltung vom 19. 9. 1936 (ebd.).

298 Es handelte sich um den Kaffeekaufmann Adolf Ostro*. Später reisten weitere Kaufleute.

299 Schreiben der Pol.-Dir. vom 1. 12. 1936 (Qu. 66).

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