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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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Die Handelskammer 281 verfolgte skeptisch die Verteilung der Broschüre und sah offensichtlich mit Bedenken wegen der bereits eingetretenen Geschäftsschädigungen einer beabsichtigten korrigierten Neuauflage ent­gegen 282 . Der Inhaber einer Bremer Im- und Exportfirma wies auf die Wirkung der Zeitungserklärungen im Ausland hin und monierte, daß nicht vor der Herausgabe desBüchleins" gründlich recherchiert wurde. Seine FrageSollten denn nicht Einzelaktionen in der Judenfrage über­haupt für die Zukunft unterbleiben?" 283 traf genau den Tenor der Verfü­gungen des Reichswirtschaftsministers, der am gleichen Tage gerade noch­malsalle regionalen und fachlichen Maßnahmen" gegen die wirtschaftliche Betätigung von Juden als illegal angeprangert hatte. Schließlich diente ihm noch der Bremer Alleingang dazu, seiner Haltung in dieser Frage Nachdruck zu verleihen, indem er über die Reichswirtschaftskammer die Industrie- und Handelskammern auf diesenEinzelfall" verwies und sie ersuchte,Anträge oder Anregungen, Firmen als nichtarisch zu bezeichnen oder Listen nicht­arischer Firmen aufzustellen oder weiterzugeben, [...] abzulehnen" 284 .

Das ZigarrengeschäftAlt-Bremen"

Dieser Fall ist typisch für die Zeil nach denNürnberger Gesetzen": Einer­seits war der offizielle Startschuß zu einer Sonderstellung der Juden im Wirtschaftsleben noch nicht gegeben, andererseits waren manche Bürger so sehr gegen alles Jüdische eingenommen, daß sogar Firmennamen ihr Miß­fallen erregten.

In Bremen hatten einige Personen Anstoß genommen an der Firmen­bezeichnung des im Stadtzentrum, in der Sögestraße 13, gelegenen Zigarren­geschäftesAlt-Bremen" 285 . Man argwöhnte, der jüdische Besitzer Maxi­milian Cohn habe sein Geschäft zur Irreführung des Publikums erst neuer­dings so benannt. Tatsächlich griffen die Behörden die Vermutungen auf und forschten nach. Es stellte sich heraus, daß die Firma unter diesem Namen bereits Anfang des Jahres 1921 ins Handelsregister eingetragen worden war 286 . Da mithin nichts Ungesetzliches vorlag, riet man der Polizei zu einer Überprüfung der Namensangabe am Geschäft. Doch waren auch in diesem Punkte die Vorschriften beachtet: Familienname und mindestens ein aus­geschriebener Vorname fanden sich deutlich lesbar an sichtbarer Stelle des

281 Der amtliche Name der Handelskammer Bremen wurde am 22. 10. 1934 in Indu­strie- und Handelskammer Bremen umgeändert.

282 Aktenvermerk vom 4. und 5. 11. 1935 zwecks Information des Präses der HK (ebd.)

283 Schreiben des Carl von Holtz vom 4. 11. 1935 an den Präses der HK (ebd.).

284 Schreiben des RWiM vom 7. 12. 1935 an die Reichswirtschaftskammer (ebd.).

285 Nach den Stimmungsberr. der Kreispropagandaltg. vom 13. und 17. 3. 1936 (Qu. 27).

286 Maximilian Cohn* war 1919 als Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges aus dem Osten nach Bremen gekommen und hatte sich hier das Geschäft aufgebaut.

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