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Die Bremer Juden unter dem Nationalsozialismus / Regina Bruss
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Das Kaufhaus Bamberger

Es ist bekannt, daß Warenhäuser von der NSDAP von Anfang an beson­ders verunglimpft wurden. Der Kampf wurde von zwei Seiten geführt: Auf der einen standen Einzelhandel und Handwerk in ihrer teilweise berechtig­ten Furcht vor der mächtigen Konkurrenz. Ihre fanatischen Wortführer fan­den sich imKampfbund des gewerblichen Mittelstandes". Auf der anderen Seite standen diejenigen, die Warenhäuser als speziell jüdische Einrichtung ansahen und im Kampf gegen sie das Judentum treffen wollten.

Die Grundlage für die nationalsozialistischen Angriffe auf die Betriebs­formWarenhaus" hatte Gottfried Feder in seiner erstmals 1927 erschie­nenen Erläuterung des Parteiprogramms der NSDAP geschaffen. Seine Kritik war eine Aufbereitung aller möglichen Argumente, die seit der Entstehung der Warenhäuser im Gefolge der Industrialisierung aufgetaucht waren. Einige Auszüge mögen das verdeutlichen:

Die Warenhäuser [...] lauter Juden gehen einen etwas anderen Weg [. . .] Riesenhafte Paläste von ungeheuersten Ausmaßen, mit allen Verfeine­rungskünsten gebaut, verlocken zum Einkauf von meist höchst unnützen Gegenständen, scheinbar billige Preise, günstige Zahlungsbedingungen ver­führen zu allen möglichen Luxusausgaben. .Erfrischungsräume' erleichtern den Daueraufenthalt im Warenhaus. So sind die Warenhäuser mehr Pflanz­stätten für Verschwendungssucht [.. .] Glauben denn die Käufermassen der Warenhäuser, daß diese Paläste anders als aus ihren Spargroschen gebaut werden? Glaubt der Besucher [...], daß nicht er selbst die .rollenden Trep­pen', Aufzüge, [. . .] die feenhafte Beleuchtung zahlen muß? Bedenkt man noch, daß das Warenhaus der Ruin des gewerblichen Mittelstandes ist, daß das Warenhaus in grausamster Weise die Heimarbeit ausnützt ebenso wie das Personal, dessen Hauptarbeitsgebiet der billige Schund ist, [...] so recht­fertigt sich hieraus unser scharfer Kampf gegen die Warenhäuser. Wir sehen auch in diesen Einrichtungen eine besondere Organisationsform der zins­kapitalistischen Idee, die nicht der wirklichen Bedarfsdeckung dienen, son­dern hauptsächlich riesige Gewinne für die Aktionäre der Warenhäuser abwerfen soll." 236

Das Kaufhaus Julius Bamberger gehörte zum Bild des Bremer Geschäfts­lebens. MitBamberger" verband sich beim damaligen Bremer Bürger der Gedanke an das Warenhaus schlechthin. Man kaufte gern und viel in dem imposantenHochhaus am Doventor". Das 25jährige Geschäftsjubiläum im Jahre 1932 zeigte, daß es nicht alsbilliger Ramschladen" verschrien, son­dern als eine Art Institution bei Kundschaft und Fachverbänden anerkannt war 237 . Die Familie Bamberger war in Bremen bekannt, vor allem der Kauf­hausbesitzer Julius Bamberger selbst, der sich als Vorsitzender der Orts­gruppe Bremen des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glau­bens in den letzten Jahren mehrmals in der Öffentlichkeit für seine Glau-

236 Gottfried Feder, Das Programm der NSDAP und seine weltanschaulichen Grundlagen, 5. Aufl., Murnau 1929, S. 35 f.; zitiert bei Uhlig, S. 191 f.

237 Der Einzelhändler, 15. 9. 1932.

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