guten topographischen Überblick, dem in den folgenden Jahren nicht viel Neues hinzugefügt wurde. Die astronomische Ortsbestimmung von Joko durch Foerster und einige kurze neue Routen von Foer st er, Oertzen, H eigelin und Glauning geben dem Bild kaum mehr neue Züge. Für die Verwaltung genügte das Vorhandene zur Not. Die Völker waren befriedet, so daß militärische Expeditionen nicht mehr nötig waren; nach Übernahme des Militärpostens Joko als Regierungsstation (1909) geschah von ihr aus kaum mehr etwas zur Erforschung des Landes. Die beiden, 1910 und 1911 in Ndumba und Ngarnbe gegründeten Stationen der deutschen Baptisten-Mission waren noch zu fremd im Land, um zur topographischen Erforschung wesentliches beizutragen. Noch 1912 sagt ein offizieller Bericht 1 ) über die Karte von Kamerun 1 : 300000: „Das Blatt Joko ist gegenüber den andern leider sehr rückständig geblieben, was darauf zurückzuführen ist, daß die Offiziere der Schutztruppe nur selten Gelegenheit gehabt haben, das Gebiet des Postens zu betreten. Es ist zu hoffen, daß den in den Karten vorhandenen Lücken seitens der zahlreichen freiwilligen Mitarbeiter besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.“
Drei Expeditionen haben zwischen 1907 und 1911 das Ost-Mbamland durchzogen oder wenigstens berührt, von denen zwei wissenschaftlichen Charakter trugen. 1907 marschierte der Geologe Dr. Guillemain von Tibati über Njua, Ngarnbe, Ditam zum Mbam bei Ngakua. Durch seine Arbeit, deren Ergebnisse in dem wertvollen Buch „Beiträge zur Geologie von Kamerun“ 2 ) medergelegt sind, haben wir vom Vorherrschen von Gneis und Granit auf dieser Wegstrecke Kenntnis erhalten, was im Gegensatz zu der vulkanischen Zusammensetzung des westlichen Graslandes sehr wichtig ist. Auf die Morphologie seines Reisegebietes geht Guillemain aber gar nicht ein. 1908 durchzog die „Kamerun-Expedition des Reichs-Kolonialamts 1907/08“, die aus Prof. Hassert und mir bestand, das nordwestliche Tikar auf der Straße Bengbeng- —Ngarnbe—Bamum in Eilmärschen. 1911 erkundete Hauptmann Winkler den Lauf des Mbam.
Alles, was bis zum Jahre 1909 an landeskundlich wichtigen Beobachtungen über das Ost-Mbamland bekannt gew-orden war, hat Passärge 3 ) in seinem „Kamerun“ mitgeteilt, wobei er die Sanaga-Ebene zum „Hochland von Süd- Kamerun“, die Ndomme-Fläche und Tikar zum ,.Mbam-Plateau'', einem Teil seines „Hochlands von Süd-Adamaua“, rechnet und getrennt behandelt.
Gerade dies Werk aber zeigte, wie eine der Kernlandschaften Kameruns, die bereits von vielen Expeditionen durchzogen war und deren Oberflächenformen in großen Zügen bekamit schienen, im geographisch Wesentlichen, in den Zusammenhängen, so gut wie unbekannt war. Diese Landschaft schloß sich östlich an die von Hassert und mir bereisten Gebiete an, und die Eindrücke, die ich 1908 auf dreitägigem Eilmarsch durch das nordwestliche Tikar empfing, sagten mir, daß hier noch viele Probleme der physischen Geographie und der Anthropo-Geographie zu lösen seien, daß eigentlich noch alles zu tun sei.
’) Kol. Bl. XII, 1912, S. 209
2 ) Abhandl. der kgl. preuß. geol. Landesanstalt 1909
3 ) S. Passarge, Kamerun (in Hans Meyers „Deutschem Kolonialreich“ IJ