Jahrgang 
1911: 1909/1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
539
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C. Marshall-Inseln. l.Jaluit. Allgemeines. Krankheit, d. Europäer u.Farbigen. 539

C. Marshall-Inseln.

1. Jaluit.

(Berichterstatter: Kegierungsarzt Dr. Born.)

I. Allgemeines.

Aus den Berichten des Stabsarztes Dr. Liesegang geht hervor, daß dauernd über die geringe Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe seitens der Eingeborenen zu klagen war. Die Zahl der behan­delten Eingeborenen betrug insgesamt nur 223 bis zum 16. Februar d. Js., von da bis zum Ende des Berichtsjahres allerdings 282. Dies starke Anwachsen der Patientenzahl ist auf Gründe zurückzuführen, die mit der bisherigen Art der Bezahlung zusammenhingen. In früheren Jahren bezahlten die Häuptlinge für ihre Untertanen, und die Zahl der Patienten aus der ganzen Gruppe war sehr groß. Infolge einer Änderung dieser Zahlungsart schrumpfte die Zahl der zur Be­handlung kommenden sehr zusammen. Für den Monat April war den Leuten nun freie Behandlung versprochen worden, daher der große Andrang.

Auf einer im November vorgenommenen Inselreise konnte Dr. L i e s e g a n g wegen einer ernsten Erkrankung des Bezirksamt­mannes das gewünschte Ziel, einige Inseln gründlich ärztlich zu be­sichtigen, nicht erreichen. Es wurde nur auf der Insel Mejit gelandet, wo der Aufenthalt von H Stunde wohl genügte, zu sehen, daß viel Krankheit auf der Insel herrscht, aber nicht die gewünschte und so nötige Hilfe zu bringen. Es ist dringend notwendig, fernere Insel­reisen zu unternehmen, wenn das Volk erhalten werden soll.

Drei Hauptgruppen von Krankheiten treten besonders hervor: erstens Krankheiten des Klimas, als Erkältungskrankheiten, wie der außerordentlich verbreitete Rheumatismus der Muskeln und der Gelenke, ferner die Erkrankungen der Atmungsorgane, des Kehl­kopfes, der Bronchien und der Lungen. In zweiter Linie bedingen die eigenartigen Ernährungsverhältnisse auf den sterilen Korallen­inseln sehr häufig Erkrankungen des Magendarmkanals, besonders chronische Darmkatarrhe aller Grade.

Endlich sind es die freien geschlechtlichen Verhältnisse, die er­schreckend häufig Geschlechtskrankheiten, besonders Syphilis zur Folge haben.

II. Krankheiten der Europäer und Eingeborenen.

Behandelt wurden im Berichtsjahre 66 Europäer. Der Gesund­heitszustand der weißen Bevölkerung war als ein guter zu bezeichnen, da nennenswerte Erkrankungen kaum vorkamen. Besondere Er-