Jahrgang 
1915: 1911/12 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
513
Einzelbild herunterladen
 

Krankendienst.

venerische Krankheiten: 123 Erkrankungen, kein Todesfall;

Haut- und Augenkrankheiten: 42 Erkrankungen, kein Todes­fall ;

chirurgische Krankheiten: 249 Erkrankungen, 7 Todesfälle.

k. Krankenhaus der Forsayth-Gesellschaft in Bitalobo.

Leiter: Regierungsarzt Dr. Runge.

Bestand am 1. April 1911: 38 Kranke; Zugang: 756 Kranke. In Summa behandelt: 794 Kranke.

Von den 756 Zugängen litten 267 Kranke an inneren Krankheiten, 489 an chirurgischen und venerischen Krankheiten.

702 Kranke wurden entlassen, 35 Kranke starben, 57 Kranke bleiben am 1. April 1912 Bestand.

Die Todesursachen waren :

Tuberkulose: 15 Eälle; Ruhr: 1 Fall; Beriberi: 1 Fall; Ver­

giftung durch tierische und pflanzliche Gifte: 4 Fälle; Lähmungs­erscheinungen (Vergiftung?): 1 Fall; Lungenentzündung: 11 Fälle;

Herzschwäche: 1 Fall; Darmverschlingung: 1 Fall.

19. Kasuistik.

I. Übertragbare Krankheiten und allgemeine Erkrankungen.

Epidemische Ohrspeicheldrüsenentzündun g trat, wie schon erwähnt, Mitte September in Rabaul epidemisch auf, vielleicht von Australien eingeschleppt, und verbreitete sich von hier aus durch den Schiffsverkehr über das ganze Schutzgebiet. Über­einstimmend wird von allen Ärzten berichtet, daß bei einer großen Anzahl der Erkrankten sich eine Hodenentzündung hinzugesellte, die bisweilen eitrig verlief und zu Abszessen führte. Auch die Ohrspeichel­drüse vereiterte in einigen Fällen. Im großen und ganzen verliefen die Fälle schnell und günstig. Ein tötlicher Ausgang wurde in keinem Falle beobachtet.

Von den Europäern erkrankten nur drei, sämtlich in Rabaul, ebenfalls leicht und ohne die erwähnten Komplikationen.

Malaria.

Bei einer 58jährigen unterernährten weißen Frau eines Ansiedlers, welche bewußtlos in das Krankenhaus in Rabaul aufgenommen wurde und 2 Tage bewußtlos blieb, traten als Begleiterscheinung nervöse und psychische Störungen auf, aus denen sich allmählich ein Verfolgungswahnsinn entwickelte, der jedoch später, als sie in eine andere Umgebung versetzt wurde, wenig mehr in Erschei­nung trat und langsam abblaßte.

In Xamatanai verlief nach Dr. Kröningein Fall von Malaria bei einem Far­bigen unter äußerst schweren Gehirnsymptomen mit einer Pulsverlangsamung bis auf 48 Schläge, so daß anfänglich an eine Gehirnerkrankung gedacht werden mußte. Er endete in Genesung.

In Friedrich-Wilhelmshafen wurde ein 3 Monate altes Kind eines Farbigen, dem durch den Mund Chinin nicht beizubringen war, intraglutäal behandelt. Starke Infiltrationen, Haut- und Muskelgangrän traten auf. Das Fieber wich nicht. Das Kind starb. Im Blut waren wiederholt Tropicaringe gefunden.

Medizinalberichte über die deutschen Schutzgebiete. 1911 12. 33