Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
496
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14. Kasuistik.

i. Europäer.

2 Fälle von Unterleibstyphus kamen, der eine von Tokpli, der andere von Palime, in Zugang. Bei beiden wurde die Diagnose durch den Ausfall der Widalschen Reaktion gesichert. Während der eine Fall unter starker Beteiligung des Nervensystems ziemlich schwer verlief, war der andere leichter, beide gingen in Heilung aus.

Ein sehr schwerer Fall von Dysenterie führte infolge Versagens des Herzens in wenigen Tagen zum Tode.

Die genannten 3 schweren Krankheitsfälle sind in ihrem Ver­laufe insofern bemerkenswert, als bei den günstig verlaufenden Typhusfällen Patienten in Frage kamen, die Temperenzler waren, während in dem 3. Falle, der tötlich verlief, ein nicht unwesentlicher Alkoholmißbrauch stattgefunden hatte.

Von den Malariafällen war einer von hohem klinischen Interesse.

Hier war, infolge der oben erwähnten Angst vor Schwarzwasser, nicht rechtzeitig Chinin genommen worden, es bestand daher ungefähr 6 Tage lang hohes Fieber, eine Zeit, die hinreichte, um im Gehirn durch die dort zur Schizogonie angehäuften Schizonten des Plasmodium imma- culatum eine derartige Schädigung hervorzurufen, daß sich das Bild einer typischen motorischen Aphasie entwickelte. Bemerkenswert ist die iso­lierte Schädigung des Brocaschen Zentrums, während der Fall sonst ohne wesentliche Erscheinungen seitens des Nervensystems verlief.

Geschlechtskrankheiten. Wenn auch die Zahl der Erkrankungen mit 20 fast schon an der Spitze steht, so ist doch nicht der größere Teil der Fälle statistisch zu fassen. Würde eine Per­sonalstatistik über einzelne Personen über mehrere Jahre hinweg versucht, so würden wir wenige Europäer als verschont antreffen. Diese Krankheiten haben für die Frage der Akklimatisation insofern eine große Bedeutung, als sie in einer ganzen Reihe von Fällen die mittelbare Ursache zu einer Tropendienstunfähigkeit abgeben, sie untergraben die Festigkeit der Konstitution; die Malaria oder Dysenterie, die zur Heimsendung direkt führt, ist nur der Anstoß zum Zusammenbruch. Leider wird diesen Leiden ebenso wie in der Heimat nicht immer die genügende Beachtung geschenkt, sie werden vernachlässigt, wie in der Heimat, sie sind aber unter tropischen Verhältnissen viel ernster aufzufassen, viel nachhaltiger in ihren Folgen.

Neben Malaria und Dysenterie muß die Gonorrhoe mit in erster Linie als eine der wichtigen, die Akklimatisation hindernden Krankheiten genannt werden.

F rauenkrankheiten. Außer den üblichen, wohl rein auf klimatische Einwirkung zu beziehenden Menstruationsbeschwer­den, die gelegentlich zur Beobachtung kamen, ist nur eine Früh­geburt als Folge eines Cervixkatarrhs bemerkenswert.