Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
295
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Spezielle Tierkrankheiten.

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Da schon früher in Kissauke zwei andere aus der Kampagne stam­mende Bullen unter gleichen Erscheinungen verendet waren, scheint die Gallenseuche für in Tiefländer eingeführte Tiere sehr gefährlich zu sein.

4. Tsetse.

a. G 1 o s s i n e n.

Die Feststellungen über die Verbreitung der Glossinen im Schutzgebiete sind so weit fortgeschritten, daß wir z. Z. ziemlich genau über die Tsetsegebiete unterrichtet sind. Auf Grund des ge­sammelten Materials wird eine genaue Karte im Maßstabe 1:1000000 angefertigt und zum Verkaufe vervielfältigt werden. Auf diese Weise können sich dann die Interessenten schnell und mühelos orientieren, ob ein Weg oder ein Gebiet frei oder ver­seucht ist.

Diese Karte kann jedoch nicht in allen Fällen als absolut zuver­lässig angesehen werden, da das Auftreten bzw. die Verbreitung der Glossinen wenigstens in manchen Gegenden gewissen Schwankun­gen unterliegt. Hierüber berichtet auch Reg. Tierarzt Trautmann:

»Manche Beobachter haben an bestimmten Stellen Glossinen beobachtet, während andere Durchreisende an solchen Stellen keine Spur davon entdecken konnten. Ich selbst bin häufig auf dem Wege von Korogwe nach Wugiri von km 5 ab von Glossinen verfolgt wor­den, namentlich an schwülen Tagen, sogar auch spät abends, nament­lich aber nachmittags; monatelang wurden aber dann wieder gar keine Glossinen gesehen. Auf dem Wege von Gonya nach Kiswani wurde auf der einen Reise mein Reittier häufig von Glossinen be­fallen, während bei einer anderen Reise von Kiswani nach Gonya keine Glossinen zu sehen waren. Nach meinen Beobachtungen treten die Glossinen mehr mit Beginn der Regenzeiten auf, um in den Trockenzeiten zu verschwinden, wo sie wahrscheinlich feuchter ge­legene Niederungen auf suchen. Die Feute am Ugurugebirge be­haupten, daß die Glossinen verschwinden, wenn das Gras dürr wird, aber im April oder Mai wieder erscheinen, wenn das Gras hoch kommt. Es scheint, als ob die Glossinen in dem Myoinbowald in dem hohen Schilfgras Unterschlupf finden, da der hochstämmige Akazienwald gar kein Unterholz oder Gestrüpp enthält, das die Glossinen sonst bevorzugen. Gummipflanzungen tragen zur Weiter­entwicklung der Glossinen bei. Pflanzer Zuganatto - Korogwe holzte auf seiner Pflanzung auf mein Anraten den oberhalb der Pflan­zung am Berge gelegenen Buschwald vollständig ab, um die dort in der Nähe des Viehstalles eingenisteten Glossinen zu vertreiben. Der Erfolg war gleich Null, da nunmehr die Glossinen sich in den Gummibäumen festsetzten. Eine ausgewachsene Gummipflanzung bietet in dem dichten Schatten spendenden Blättergewirr den Glossinen zusagenden Unterschlupf. Deshalb ist in absehbarer Zeit