Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
168
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I. Deutsch-Ostafrika.

Genickstarre.

Seit Beginn d. J. treten vereinzelte Fälle von Genickstarre in den Usambar aber gen auf. Ein leichtes epidemisches Auftreten be­merkt man auch am Neubau der Usambarabahn, wo bereits von No­vember 1910 bis Februar 1911 3 letal verlaufene Fälle beobachtet wurden.

b. Die Seuchenbekämpfung in den Südbezirken.

Mit der systemalischen Seuchenbekämpfung in den 3 Südbe­zirken des Schutzgebietes ist seit Mitte des Jahres 1910 ein in Lindi stationierter Regierungsarzt, Professor Dr. Beck, betraut. Er hat in mehrfachen Reisen seinen Bezirk kennen gelernt; aus seinen Be­richten ist zu entnehmen:

Pocken und Pockenschutzimpfungen.

»Eine meiner Hauptaufgaben war eine möglichst gründliche Pockenschutzimpfung. In den Bezirken Kilwa und Lindi war durch die dortigen Stationsärzte ein großer Teil der Bevölkerung schon wiederholt durchgeimpft worden. Dagegen konnte in dem Mohoro- bezirk eine systematische Schutzimpfung der Eingeborenenbevölke­rung bis jetzt noch nicht durchgeführt werden. Bei der großen Ge­fahr, die diesem Bezirk namentlich durch Einschleppung der Pocken von dem Seewege aus droht, erschien mir zunächst eine möglichst umfangreiche Durchimpfung des Rufijideltas und der Stadt Mohoro angezeigt. Durch das verständige Entgegenkommen der Bevölke­rung war es mir möglich, hier und an dem nördlichen Küstenstreifen des Bezirks nebst dem Hinterland von Msindadji und Kikale über 20 000 Erwachsene und Kinder zu impfen. Aus manchen Dörfern waren die Leute bis zu 10 Stunden Entfernung zu dem Impftermin erschienen.«

»Die Impfungen wurden zum größten Teil mit einer in Dares­salam gewonnenen Lymphe vorgenommen. Der Erfolg war in 60 bis 75 °/ 0 ein positiver. Im Rufijidelta wurden eine Anzahl Personen mit einer direkt aus Hamburg bezogenen Lymphe geimpft, hier war das Ergebnis in 75 bis 80 °/ 0 positiv. Nach der Impfung mit einer mit Lanolin vermischten Lymphe aus dem Hamburger Lympherzeu- gungsinstitut waren nur in etwa 50 °/ 0 Impfpustel aufgegangen.

Pockenfälle wurden aus keinem der 3 Bezirke gemeldet.

Auffallend war mir die große Anzahl Eingeborener mit den Zeichen früher überstandener Pocken aus dem Hinterland von Kikale und aus den Matumbibergen. Aus einigen Ortschaften waren über die Hälfte der Bevölkerung mit Pockennarben geradezu übersät und hatten zum Teil starke Zerstörungen im Gesicht und besonders an den Augen. Die Mehrzahl hatten während einer im Jahre 1897 und 1898 dort verheerend wirkenden Epidemie die Pocken überstanden. Trotzdem war die Vaccination bei der Mehrzahl derselben jetzt mit positivem Erfolg ausgeführt worden.«

In einzelnen Gegenden begegnete Regierungsarzt Dr. Beck auf der Impfreise noch einer scheuen und ablehnenden Bevölkerung.