Gesundheitsdienst.
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und haben für jede Form einen eigenen Namen. Auch die Infektiosität dieser Erkrankung ist ihnen wohl bekannt. Daß dieselbe einen günstigeren Boden hat bei der engen Lebensgemeinschaft und der großen Unreinlichkeit der Neger, ist klar. Die Schutzmaßregeln sind dem Phlegma des Negers entsprechend ungenügende. Die meisten Kranken scheinen nach wie vor mit ihren Familien zusammenzuleben. Ich kenne nur einen Fall, bei dem dem Kranken eine eigene Hütte zugewiesen ist; damit sind die Maßregeln aber auch erschöpft. Im Verkehr mit anderen Leuten ist ihm keine Beschränkung auferlegt, auch nicht möglich, da er den Lebensunterhalt sich selbst besorgen muß. Es sind ja verhältnismäßig wenig Fälle von Lepra, die die Statistik aufweist, doch gestatten sie keinen Schluß auf die Verbreitung der Krankheit unter den Leuten. Der Grund, warum so wenig zu sehen sind, liegt darin, daß unter dem Volk das Gerücht verbreitet ist, daß Aussätzige nach Kahe (Oase südlich Moschi) deportiert würden. Leider trifft das Gerücht nicht zu. Es gibt dort kein Aussätzigen - Asyl. Die Zahl der Aussätzigen am Kilimandjaro scheint aber eine erheblich größere zu sein, als bisher angenommen wurde. Jedenfalls ist die Zahl der Leprafälle, die ich gelegentlich auf meinen Reisen am Kilimandjaro gesehen habe, eine erhebliche.
17. Soziale Fürsorge.
In den Nordbezirken Bagamoyo, Pangani, Tanga, Wilhelmstal und Moschi sitzt die Hauptmasse der Pflanzer und der anderen gewerblichen Betriebe. Jahraus, jahrein strömen aus dem Innern des Schutzgebietes dorthin Scharen von Arbeitern, die insonderheit die Pocken mit sich bringen; die in die Heimat rückwandernden Arbeiter verschleppen wiederum Volksseuchen, die in den Nordbezirken hausen, besonders die Wurmkrankheit, in das Innere des Landes, wo sie bislang noch unbekannt sind.
Ähnlich liegen die Verhältnisse in den Südbezirken des Schutzgebietes, in den Bezirken Mohoro am Rufiyi, Kilwa und Lindi. Insbesondere die Bezirke Mohoro und vor allem Lindi haben in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen.
Die systematische Bekämpfung der Volksseuchen in den Nord- bezirken wie in den Südbezirken, die in den Händen zweier Regierungsärzte liegt, hat demnach besonders die Verhältnisse auf den Pflanzungen, die soziale Hygiene auf ihnen und die Arbeiterfürsorge ins Auge zu fassen.
a. Die Seuchenbekämpfung in den Nordbezirken.
Die systematische Seuchenbekämpfung in den Nordbezirken lag im Berichtsjahre wie schon früher in den Händen des in Amani stationierten Regierungsarztes, Oberstabsarztes Dr. Schörnich. Von ihm liegen die nachfolgenden zusammenfassenden Berichte vor.