Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
141
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Gesundneitsdienst.

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16. Gesundheitsdienst hei größeren privaten Unternehmungen.

Bericht über die Tätigkeit des Gesund­heitsdienstes beim Bau der Zentralbahn vom 16. März 1910 bis 15. März 1911.

Berichterstatter: Dr. Lenz.

Etwa 300 Europäer und annähernd 12 000 Farbige waren im Berichtsjahre am Bahnbau beschäftigt. In dem Gesundheitsdienst waren 3 Ärzte und 10 Arztgehilfen tätig. Beim Hospital Dodoma waren außerdem noch 1 Krankenschwester, 1 Pharmazeut und 1 Rechnungsführer stationiert. Durch Krankheit und Urlaub redu­zierte sich dieses Personal durchschnittlich um ein Drittel.

In Dodoma, das bei km 263 von Morogoro gerechnet, in 1160m Höhe über dem Meere gelegen, zum Hauptstützpunkt des weiteren Baues wurde, ist das Hospital für die kranken Europäer errichtet worden. Es stellt im Vergleich zu dem Anfang September 1910 ver­lassenen in Morogoro eine wesentliche Erweiterung und Verbesse­rung dar. Der Hauptbau nimmt neben Operationsraum, Poliklinik, Laboratorium und Sprechzimmer in verschieden großen Räumen 20 Betten auf. Eine Isolierbaracke faßt 2 bis 4 abzusondernde Kranke. Für Arzneidepot, Apotheke und Personalwohnungen ist ein Seitenflügel erbaut. Die Küche nebst Spülküche, Destillierein­richtung und Sodawasserfabrikation nimmt einen weiteren Seiten­bau ein. Die Aborte sind ebenfalls besonders abseits errichtet.

Für die farbigen Kranken wurden besondere Baracken kon­struiert, die auseinandergenommen und transportiert werden können. Die Wände sind aus leichtem Holz, für Lüftung ist durch verschließ­bare Öffnungen an den Giebelwänden über den Türen gesorgt. Fer­ner kann an den Seiten durchgehend eine Diele mit Scharnierein­richtung hochgeklappt werden. Das Wegnehmen ganzer Wände wurde nicht vorgesehen, weil das dem Geschmack des Negers nicht entspricht. Dagegen werden Holzbettstellen im Freien aufgestellt, um auch Schwerkranke nach Bedarf ins Freie bringen zu können. Als Krankenbetten dienen eiserne Rahmen mit umlegbaren Füßen und matratzenartigem, federndem Drahtgeflecht. Das Modell wird aus Deutschland bezogen und hat sich bis jetzt gut bewährt. Eine Bastmatte nebst Wolldecke und Leinenbezug dient als Unterlage, 1 bis 2 Wolldecken zum Zudecken. Jeder Kranke hat seinen Teller und Becher aus emailliertem Blech. Das Baracken- und Bettstellen­modell ist nach vielfachen Versuchen von dem Berichterstatter an­gegeben. Da, wo das Gleis noch nicht eingetroffen ist, müssen an­dere Bauarten angewandt werden, je nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse. Maße und allgemeine Bauregeln wurden in der »Or­ganisation des Gesundheitsdienstes« vorgeschrieben. Überall ist für den einzelnen Kranken Bettstelle und Eßgerät vorgesehen. Trink­wasser wird gekocht und geklärt verabreicht.