452 VI. Karolinen und Marskall-Inseln. C. Marsliall-Inseln. 2. Nauru.
2. Nauru.
(Berichterstatter: Regierungsarzt Dr. A. Müller.)
I. Allgemeine hygienische Verhältnisse.
Das Berichtsjahr vom 1. April 1908 bis 31. März 1909 zeichnet sich durch anhaltende Dürre aus. Da daneben auch noch eine Erkrankung der Kokospalmen durch Schildläuse vorliegt, ist der Ertrag von Kokosnüssen natürlich gering. Weil jedoch die Eingeborenen durch die Anwesenheit der Pacific Phosphate Co. im Besitz genügender Geldmittel sind, ist ein eigentlicher Notstand kaum zu befürchten. Von üblem Einfluß ist der Regenmangel natürlich auf den Inhalt der Wasserlöcher, auf die die Eingeborenen zum Waschen und Trinken angewiesen sind, und die großenteils einen direkt fauligen Geruch verbreiten. Von den Europäern und Arbeitern der Company wurde lange Zeit aus Seewasser destilliertes Wasser gebraucht, das indessen ohne einen Zusatz nicht recht zu genießen ist. Der als solcher bisher meist benutzte australische Rotwein ist durch den neuen Zoll hierfür leider zu teuer geworden. Für Spül- und Badezwecke wurde in der Europäeransiedelung und dem Arbeiterviertel eine Seewasserleitung angelegt. Mit dem Bau der Kanalisation ist begonnen, außerdem elektrische Beleuchtung eingeführt. Der Arbeiterstand erfuhr einen Zuwachs durch 384 Leute von den Karolinen.
II. Krankenhausanlagen.
Für die Behandlung von Kranken stehen zur Verfügung das etwa 100 Betten fassende Arbeiterhospital der P. P. C. mit Apotheke und Operationsraum, außerdem zwei in Eingeborenenbauart errichtete Häuser für Eingeborene mit einem äußerst primitiven Verbandraum, der indessen in letzter Zeit wegen des absoluten Fehlens von Wasser nicht mehr benutzt wurde. Die Sprechstunden für Eingeborene wurden in dem Hospital der P. P. C. abgehalten. Für Europäer sind besondere Krankenhäuser nicht vorhanden.
III. Krankheitsbericht.
Der Gesundheitszustand wurde wesentlich beeinflußt namentlich durch das epidemische Auftreten von Influenza, Beriberi und Dysenterie, wogegen Typhus zurücktrat.
Bei den Europäern traten alle oben genannten Krankheiten mäßig auf. Immerhin waren 4 Fälle von Typhus zu verzeichnen, die ebenso wde die vorjährigen einen außerordentlich langwierigen, jedoch gutartigen Verlauf nahmen. Bei einem traten in der Rekonvaleszenz periostale Abszesse an beiden Schienbeinen auf. Der Fall von Beriberi betraf den 2. Offizier von einem norwegischen Dampfer, unter