5. Jahrgang Nr. 15 t- August 1916
Herausgegeben von Dr. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutnant a. D. Hans Paasche, Berlin.— verantwortlicher Schriftleiter: Dr. pliil. 2^. Kraut, Hamburg.
Mitteilungen
des Deutschen Vortrupp-Bundes
In zwangloser Reihenfolge einmal vierteljährlich als Beilage zum „Vortrupp" für die Vortrupp-Gruppen und Vortrupp-Freunde ^ herausgegeben von der
( Geschäftsführung des „Deutschen Vortrupp-Bundes"
1916
Aus der Vortrupp-Arbeit
Vortrupp Apolda. Am 5. Juli sprach bier Herr Gerhard Fils über die Freidcutsche Siedlungsgemeinde*) und weckte dadurch bei den in eisten Mit niedern nicht nur lebhafte Anteilnahme für den Siedlnngsplan. sondern auch den begeisterten Wunsch, ihn durch die Tat fördern zu können. Heil!
Werner Gimm.
Vortrupp Gros; - Berlin. U n sere Waldseier am i. Juni. viele, viele Vorarbeit gab's zu tun und als etwa H Tage vorher alles glatt und fertig war, galt es nur noch den Himmel um ein freundlich Gesicht für unseren Tag zu bitten. Der Himmel aber machte ein griesgrämig Gesicht und liest es am Tag vorher recht bedenklich regnen. Und dennoch konnten wir ihm nachher aus vollstem Herzen danken. Denn als wir Vortruppleute amsrühenMorgenzu unserem Fcstplatz hinausfuhren, da war in der ganzen Welt nichts als Heller Sonnenschein. Den ganzen vormittag gab's Arbeit: zwei Maibänme mit lustig flatternden bunten Bändern wurden aufgerichtet; Kränze, die als Preise bei den Wettspielen verteilt werden sollten, wurden gewunden, Tische für Zeitschriften und Kasfeeverkaus ausgestellt usw. Nicht dankbar genug konnten wir sein, das; uns ein solcher Festplatz in die Hände gefallen war: an zwei Seiten Wald, an der dritten ein mit Birken und Pappeln bestandener Bach und die vierte weit hinaus ins Grüne geöffnet. Wandergruppen trafen nach und nach ein. Um 12 Uhr ging eine Führerschaft mit Klampfen und Vortruppwimpel zur Bahn und brachte uns nach etwa 2 Stunden die Schar der Gäste, die fast nicht enden wollte. Bald
*) Siehe auch „Vortrupp" Nr. 15 v. 1. VIII. 16, S. H78.
war unser Festplatz mit einer frohen bunten Schar von Menschen bedeckt, die gekommen waren, zu hören und zu sehen. Zunge und Alte waren da, und was sie äußerlich sahen, war die ungezwungene, natürlich-frohe Form der Geselligkeit, wie der Wandervogel sie sich erarbeitet hat und wie sie von ihm viele, viele übernommen haben, die fühlten, daß es auch die ihrer Art entsprechende Form sei.
was sie hörten, die da zusammengekommen waren, war das, was uns Vortruppmenschen und den uns Gleichgesinnten in dieser Zeit stark am Herzen liegt, die drei Fragen: Kriegerheimstätten, Abstinenz und das werden der Jugendbewegung, die wir so gern die sreideutsche nennen. Die Heilrnse, die den drei Rednern wurden, zeigten, daß das Band gemeinsamen wollens sich um die versammelten geschlungen hatte. Ganz besondere Freude hatten wir, den Mitherausgeber des „Vortrupp", Hans Paaschc, in unserer Mitte zu sehen, und er war es auch, der nach Spiel, Gesang und Tanz in seinen Worten den Tag ansklingen ließ. Noch mehr als die anderen Reden stand diese unter dem Zeichen des Kricgserlebnisses. Aus ihr sprach erschütternd ein so eisenfester Wille, mit dem kommenden Frieden an dem zu schaffen, was unseres Volkes und der Menschheit Ankunft bedeutet, daß ein vielfaches Heil aus tiefstem Herzen klang.
was der Tag uns gab? Uns vom Vortruppbunde und denen, die zu uns kamen? Man muß sie einzeln fragen, die dort waren. Zch hoffe dieses: ein gesinnnngstreues Grüßen hinüber und herüber, von Gruppe zu Gruppe und Strom zu Strom; ein wissen von gemeinsamem wollen und das Bewußtsein, daß ein solches wollen auch dann sich auswirken muß, wenn draußen der Krieg tobt und viele Kraft zu lähmen droht — erst recht dann! Und unseren Kämpfern draußen, denen an dem Tag unsere Gedanken galten und denen gegenüber unser wollen und Schaffen daheim Pflicht ist, so hoffe ich, die Gewißheit, daß wir hier kämpfen wie sie dort, auch dann, wenn uns oft nur das geschriebene, gedruckte.
> gesprochene Wort als Kampfmittel zur ver-