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Aufruf.
Ueber dreißig Millionen Deutsche, mehr als ein volles Drittel des
deutschen VolKsoestandes, wohnen außerhalb des Reichs. An den Sprachgrenzen stehen sie im Verteidigungskampf für die Erhaltung deutscher Sprache und Volksart gegen Slaven, Magyaren und Italiener. Dort wie jenseits des Meeres wirken sie als Pioniere deutscher Kultur und Wirtschaftsmacht. Die Erhaltung dieses Deutschtums im Ausland ist eine Ehrensache für das deutsche Volk: die Achtung seines Volkstums, die jedem Franzosen oder Engländer im Ausland als selbstverständlich gilt, fordert auch das deutsche Volk. Die Entwicklung seiner Kraft, die Höhe seiner Kultur, der Reichtum seines Geisteslebens, die Bedeutung und die Erfolge seiner wirtschaftlichen Arbeit stellen es in die erste Reihe der großen Nationen.
Die Sicherung des Deutschtums im Ausland ist
notwendig, soll der Anteil der deutschen Volksstämme an den fast überall wachsenden Gütern und Gaben der Kultur nicht verkümmert werden. Der Deutsche soll nicht mehr als „Kulturdünger" fremdes Volkstum stärken. Die Pflege des Deutschtums im Ausland ist nützlich. Sie sichert und festigt in Oesterreich-Ungarn wie in den Vereinigten Staaten das gute Einvernehmen mit dem Deutschen Reich, sie erweitert die Wirkung zielbewußter deutscher Kulturarbeit im Ausland Sie belebt den Verkehr zwischen den Stammesgenossen draußen und im Mutterlande. Sie dient einer planvollen Ausgestaltung unseres Außenhandels, der naturgemäß bei jedem Deutschbewußten seine beste Anknüpfung findet. Die Wahrung des Deutschtums im Ausland ist möglich durch Errichtung und Erhaltung deutscher Schulen, Kindergärten und Büchereien, durch Erteilung von Stipendien an unbemittelte Stammesgenossen, durch Vermittlung der Anstellung deutscher Lehrer und Erzieher, Geistlicher und Aerzte, durch Rat und Auskunft cm Auslanddeutsche, durch Herstellung persönlicher Beziehungen zwischen dem Mutterlande und seinen Söhnen jenseits des Meeres. Hierauf allein richtet sich die seit dreißig Jahren erprobte Arbeit des Vereins Jede politische und konfessionelle Betätigung bleibt ausgeschlossen Deutsche, die Bürger eines fremden Staates sind, können und sollen ebenso gewissenhast die Pflichten gegen ihren Staat erfüllen, wie treu ihre angestammte Art und Sprache hüten. Der republikanische Brasilier wie der zarentreue Teutschrusse, der katholische Südtirolcr wie der lutherische Siebenbürger, sie alle haben Anspruch auf unsere werktätige Teilnahme zur Erhaltung ihrer deutschen Etammesart und des deutschen Geistes in Haus und Schule.
Das Arbeitsfeld ist riesengroß. Es erfordert die Mitarbeit und Hilfe aller Deutschgesinnten.
Deshalb richten wir an alle deutfchbewuszten Männer, an alle deutschfühlenden Frauen die Bitte:
Helft zur Verbreitung und Förderung deutscher Sprache und Kultur auf der ganzen Erde.
Helft zur Erhaltung unseres DolKstums im Auslande.