Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1912) Geschichtliche Darstellung : mit zahlr. Abb., 4 Taf. u. e. Faksimiledr.
Entstehung
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V. Schlussbetrachtung.

Wenn es mir im Vorstehenden nach dem Urteil der Leser gelungen ist, ein zutreffendes Bild von der Tätigkeit der Gesellschaft in den 25 Jahren ihres Bestehens und von den Ereignissen zu geben, die sie betroffen haben, so würde mir das ein Lohn für meine unendlich mühevolle Arbeit sein. Und wenn es dem Leser so ergeht beim Durchlesen meiner Schilderung, wie es mir beim Studium der Akten und bei der Niederschrift ergangen ist, so würde mich das aufrichtig freuen. Ich bin mit einem gewissen Zögern und nicht ohne inneres Widerstreben an diese Arbeit herangetreten, denn ich teilte in manchem Punkte die Meinung derer, die der Deutschen Kolonial- Gesellschaft für Südwest-Afrika vorwerfen, dass sie in eigennütziger, klein­licher Weise ihre grossen Sonderberechtigungen zum Schaden oder doch wenigstens ohne Rücksicht auf das grosse Ganze rücksichtslos ausgenutzt habe. Ich bin bekehrt.

Zwar kann ich durchaus nicht allen Handlungen der Gesellschaft zu­stimmen, aber nicht deshalb, weil sie von einem dem Gemeinwohl abträg­lichen Geiste getragen gewesen wären. Vielmehr deshalb, weil sich nun vor dem rückschauenden Blick und von der heutigen Kenntnis in kolonialen Dingen aus so mancher Beweggrund, der damals das Handeln beeinflusst hat, als unzutreffend erweist.

Solche Fehler finden sich namentlich im Anfänge des Bestehens der Gesellschaft, und der Grundgedanke ihrer Bildung und die Form, in der diese geschah, ist gleich ein solcher: eine aus patriotischen Ueber- zeugungen, mit der vollen Erkenntnis, dass lange Jahre ertraglos sein wür­den, gegründete E r w e r b s gescllschaft ist ein in sich so zwiespältiges Wesen, dass es von vornherein, wenn nicht den Todeskeim, so doch den Keim schwerer Krankheit in sich trägt. Und der Deutschen Kolonial-Gesell- schaft für Südwestafrika ist es dementsprechend ergangen: die Oeffentlich-