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und dem zartesten Weiß hervorkommen, sei das afrikanische Schneewittchen herausgehoben mit seinem weißfilzig sammtnen Blättern, aus deren Mitte wunderschöne, rosenrote Blüten hervorstechen. Ich sah sie nur auf der Höhe von Haigamchab im Sande blühen. Eine Menge anderer, wie das blauweiße Vergißmeinnicht, die Blutstropfen ähnliche Rankenblume und andere mehr erfreuen das Auge nicht minder. Grasarten gibt es wohl an 20, unter ihnen das berüchtigte Stechgras, das den Tieren, besonders den Pferden, so schädlich ist und sich dem Reisenden in die Kleider festhakt, diese durchsticht und kaum wieder zu entfernen ist. Auch sei noch das Spiergras genannt, an dessen Wurzeln die Oindjes, die Feldzwiebel, wachsen, die besonders den Armen zur Nahrung dienen.
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fünftes Kapitel.
Die Tierwelt.
Bedeutend reicher wie das Pflanzenreich ist im Hereroland die Tierwelt vertreten. Indem wir zu ihrer Schilderung übergehen, mag der für Eingeborene wie für Kolonisten wichtigste Teil der Tierbevölkerung auch hier den ersten Platz einnehmen: das Weidevieh. Fast sind sie ja im Munde der Reisenden sprichwörtlich geworden, die Ochsen der Herero. Denn dieses Volk, das bis zur Stunde ein Nomadenleben führt, war und ist für seinen Bestand in der Hauptsache auf das Rindvieh angewiesen. Aber wo sind die Riesenherden geblieben, die noch vor den Kriegen in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vorhanden waren? Wer sie damals nicht gesehen hat, der macht sich heute keinen Begriff mehr davon. Man konnte annehmen, daß die Häuptlinge Maharero, Zeraua, Kambazembi, Vingava jeder an 200 Herden, also an 200000 Rinder besaßen. Charakteristisch ist folgendes. In jener Zeit erhielt ich auf die Frage nach dem Viehstand die Antwort: „Wer reich ist, etwa wie Maharero, hat 200 Herden; weniger Reiche, wie Kukuri und Salomo, haben 100 Herden; wer nur einigen Reichtum besitzt, hat 50 Herden; einer, der ein Weniges hat, 20, und einer, der arm genannt wird, hat deren 10; ein ganz Armer, der nichts besitzt, hat immer noch 5 Herde» oder 30 bis 50 Stück Rindvieh." Ich habe den Herdenreichtum der Herero zuerst in den Jahren 1869—1870 nach dem verheerenden Krieg mit den Nama und dann wieder im Jahre 1880, als die Mbanderu über Otjosazu flüchteten, in etwa gesehen; er mußte sich innerhalb dieser Zeit um das achtfache vermehrt haben. In den Kriegsjahren 1880 bis 1883 raubten die Nama wohl über 60000 Stück Rindvieh, und doch