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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
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schönsten Hoffnungen werden dann in einer Nacht vernichtet, das saftigste Grün ist am Mittag schwarz und verwelkt. Feigen, Granatbäume, Oleander, Bananen und Apfelsinen, die nur noch die Blätter behalten, aber keine neuen Knospen bilden, ersticken im eigenen Safte und gehen so zugrunde.

VVV

Viertes Capitel.

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Schon wiederholt hat unsre Beschreibung das Gebiet der Pflanzenwelt berühren müssen. Wir haben dabei die Beobachtung machen können, wie sehr der Baum- und Pflanzenwuchs des Landes von dem Regen abhängig sein muß. In der Tat ist auch die Vegetation keineswegs so reich und üppig, wie sich die Phantasie eines Europäers die Tropenlandschast wohl vorstellt. Wenigstens sind die Bilder der Ansichtskarten, auf deren einer man z. B. im Hintergründe ein Dattelpalmenwäldchen und davor einen von deutschen Soldaten gestürmten Bergdamra-Pontok sehen kann, die reinste Fata Morgana. Wohl gibt es auch Palmen im Hereroland, aber nur da, wo die Missionare sie in früheren Zeiten angepflanzt haben, wie in Otjimbingue, Otjikango, Otjosazu, Omaruru und Windhuk. Die eigentliche Palmenzone geht schon hinter den Waterbergen und Grootfontein vorüber; östlich von Otjikango blühen sie wohl noch, bringen aber keine Früchte mehr. Auch hinsichtlich der Vegetation ist und bleibt das Land im großen und ganzen namentlich in der Zeit der Trockenheit mehr eine Wüste als ein lieblicher Gottesgarten. Wohl wachsen zwischen den steilen, glatten, von der Sonne durchglühten Felsblöcken allerlei Schlingpflanzen, Kakteen und hie und da Dorngestrüpp und Dornbäume, wohl sieht man vereinzelt (bei Waterbcrg) den wilden Feigenbaum, und auf den Bergen leuchtet die rotblühende, stattliche kHuxliorchiu euiiäslubi'ls, die sich wie ein prachtvoller Kronleuchter aus der Eintönigkeit der vorherrschend gelben Farbe der anderen Blüten abhebt, wohl reckt daneben die Aloe ihren schlanken, oft 3 m hohen Schaft in die Luft, und für das aufmerksam suchende Auge gibt's noch mancherlei höchst Interessantes in unsrer Pflanzenwelt, aber ein Auge, das an deutsche Berge und grüne Wälder gewöhnt ist, wird sich im Hererolande immer zunächst enttäuscht finden.

Eigentliche Wälder wie in Deutschland gibt es, wie schon oben bemerkt, im Hererolande nicht mehr. Doch fallen dem Reisenden zunächst viele Baum­arten und Sträucher auf, die ihm immer wieder begegnen, je weiter er ins Land hineinkommt: vor allem der Kameldornbaum in seinen zwei Arten, neneiu M-ulkus und ueuoin. sriolobu; ferner die Ana (uoueiu uldicku) und