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hinunter, durch Dächer, Türen und Fenster dringt's mächtig hinein. Im Nu ist alles naß, drinnen wie draußen. Alle Hände sind geschäftig, den lieben und doch unliebsamen Gast von den Häusern fern zu halten. Am nächsten Tage wiederholt sich der Regen und noch öfter. Nun grünt und erblüht neues Leben auf dem sonst so öden Feld. In wenigen Tagen ist alles wie verzaubert im schönen Lande der Fata Morgana.
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Drittes Capitel.
Rlirna uncl Temperatur.
Gegenseiten uncl Leiten cler Dürre.
Aus dem eben Gesagten erhellt schon, daß wir im Hereroland im allgemeinen ein regenarmes und darum dürres Land vor uns haben. Alle obengenannten Flußbetten sowie auch die Flußquellen und Feldbrunnen gewinnen nur in dem Grade eine Bedeutung für die Bewässerung und Ertragsfähigkeit des Landes, je nachdem die Regenzeit Wassermengen mit sich bringt. Die Frühregen stellen sich selten schon Ende Oktober bis Anfang November ein und schaden dann oft mehr, wie sie nützen. Denn gewöhnlich sind es nur kurze Gewitterregen, und sie sind nicht stark und anhaltend genug, um einen Graswuchs zu erzeugen, der Bestand hat. Wie oft habe ich's erlebt, daß nach einigen solchen starken Gewitterschauern das Feld zu grünen und zu blühen anfing; aber ebenso schnell verwelkte es in wenigen Tagen unter der alles versengenden Sonnenglut wieder. Diese Regen, nicht selten mit starkem Hagelschlag vermischt, zerschlagen wohl das alte, verdorrte Gras zu Staub; aber nicht minder auch füllt sich das Flußbett reißend schnell und zerstört nun die junge Getreidesaat an seinen Ufern in wenigen Stunden. Wohl sechsmal hintereinander nahm uns nach solchem Regen der herunterkommende Fluß die eben reifende Weizenernte mit fort oder begrub sie unter seinem Sand.
Die eigentliche Regenzeit beginnt erst anfangs Januar und dauert bis Ende April. Mächtige Wirbelwinde, Orukumbambura d. i. Regenbitter genannt, steigen auf und reißen alles mit sich fort, was in ihren Bereich kommt; gewaltige Staubsandsäulen erheben sich unheildrohend bis hoch in die Wolken und hüllen alles in Staub und Sand ein, so daß man kein Auge auftun kann; Ost- und Westwind kämpfen miteinander einen furchtbaren Kamps; nicht selten wird der Sturm zum Orkan, der gewaltige Bäume umbricht und ganze Strecken Buschwerk entwurzelt. Unter furchtbarem Krachen schlagen die Blitze in die Kamceldornbäume und zerspalten die stärksten Riesen. Sind ihre Schläge auch meist kalt, so fallen ihnen doch oft genug Hirten und Herden zum Opfer. So schwankt die Entscheidung in dem ungeheuren
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