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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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entfernt, hatte aber im Oktober 1902 ebensowenig Wasser wie mein Brunnen, nämlich täglich drei Eimer. Im November kam der Fluß nach einem zwei­stündigen Regen von 74 nun zum Fließen; da war das Loch, nicht vom Fluß-, sondern vom Regenwasser, nur 2 m hoch voll. Aber wer wollte sich der Mühe unterziehen, so tiefes und noch dazu so schmutziges Wasser herauf- zuwinden; hatten wir es doch näher im Flußbett selbst und in unserm Gartenbrunnen, der stets reines, klares und wohlschmeckendes Wasser gab. Selbst den Herero fiel das nicht ein. Gerade in der Regenzeit, wo in den Flußbetten alles Wasser zusammenläuft und daher schmutzig, lehmig und un­brauchbar ist, haben wir in unserm in den Felsen gesprengten und aus­gemauerten Brunnen immer reines und schmackhaftes Wasser gehabt. Es wird also nach den bisherigen Erfahrungen schwerlich gelingen, das Herero- land durch die Mittel der modernen Technik zu einem wasserergiebigen Lande zu machen; es sei denn, daß man den Kunene in Ovamboland mittelst eines Kanals nach Hereroland ableitet!

Klima unck Temperatur.

Dagegen ist das Klima des Landes weit gesunder, als man es der geographischen Lage nach vermuten sollte. Die Hauptursache dafür ist seine Höhenlage. Auch der fast von Ende Mai bis November wolkenlose, blaue Himmel, die reine, noch nicht von den Bazillen der Kultur verpestete Luft und die trockene Hitze mögen viel dazu beitragen. Außerordentlich schwankend ist jedoch die Temperatur. Während dieselbe im Hochsommer bis zu 30° K im Schatten und 40 45° K gegen 2 Uhr nachmittags in der Sonne steigt, sinkt sie in den Nächten bedeutend herab; ja im Winter, also in den Monaten Juli und August, fällt das Thermometer von 15° K des Abends in der Nacht bis zum Morgen aus 5°, ja 0° K, nicht selten sogar auf 4° K Kälte. Dann gibt es wohl in den Eimern Eis, jedoch nicht in den Brunnen. Nur einmal, im Jahre 1883, habe ich es erlebt, daß auf den Mauern und Hecken Glatteis lag. Ein starker Nebel, wie solche nur in dürren Jahren im Oktober bis zur Wasserscheide heraufkommen und Kälte mitbringen, war zu Eis gefroren. Schnee kennt man nicht, wohl aber Hagelschlossen bis zu walnußgroßen Stücken, die alles zerschlagen und selbst Kleinvieh und nackte Menschen töten können. Schwankungen des Barometers, wie wir sie in Deutschland gewöhnt sind, kommen nicht vor. Er bewegt sich gewöhnlich nur zwischen 730 und 740. Es gibt selten windstille Tage. Durch die vorhin erwähnten starken Seenebel erklärt es sich auch, daß selbst noch im Oktober, wenn am Tage 2530° K Hitze ist, die Blüten des Weins, der Feigen und Datteln und besonders blühender Weizen und Kartoffeln in der Nacht oft gänzlich vernichtet werden. Ja es kommt vor, daß sogar im Dezember ein solcher Frost Kürbisse, Melonen und alle zarten Gewächse, selbst die Blüten des Dornbaums zerstört. Die