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drei Eimer Wasser schöpfen konnten. Von diesen mußten wir täglich sts Eimer sparen, um nur nach 14 Tagen Kleider waschen zu können. Auch hieß es: schmutziges Wasser gieße man nicht eher weg, als bis man reines hat. Die gewöhnlichen, im Laufe von 10 Jahren wiederkehrenden dürren Jahre waren in dieser Zeit 1879, 1889 und 1896. Von 1883 ab bis 1901 konnten die Leute auf Otjosazu nur selten Weizen säen oder gute Gärten anlegen. Nnr die Zeit von 1870 bis 1881 waren für Kornbau und Gürten Segensjahre.
Es erhebt sich die Frage: Was mag wohl die Ursache dafür sein, daß das Land jetzt weniger Regen bekommt als früher? Ob die ungeheuren jährlichen Grasbrände in der Omaheke dazu beigetragen haben? Ob man es der Zerstörung der Waldungen auf den Bergen, die von den Nama und Berg- damra niedergebrannt wurden, zuschreiben darf? Ob vielleicht das Abhauen der Dornen für die Umzäumung der Weizenfelder in den Flußbetten, wie es namentlich auf Otjimbingue geschehen ist, mitgewirkt hat? Fast möchte man es glauben. Denn die Beobachtung lehrt, daß die ersten Regen im Osten, im Quellgebiet des Swakop, immer da entstehen, wo reichlicher Wald ist. Okahandja, Otjosazu und Katjapja hatten, ehe die Nama im Jahre 1846 die Gegend verwüsteten, noch reichlichen Waldbestand; jetzt findet man nur noch die abgebrannten dicken Baumstrünke im Boden. Leider machen es unsre deutschen „Knlturpfleger" nicht viel besser; denn der schöne, wohl lOO Jahre alte Mimosenwald (Otusn Lliinosn) bei Groß-Windhuk ist unter dem Beil der Forstwissenschaft gefallen; ebenso hat der von Maharero und den Missionaren angepflanzte Mimosenwald bei Okahandja einer Baumschule Platz machen müssen.
Künstliche Lewässerung.
Doch wie dem auch sei, Tatsache ist, daß Hereroland jetzt nur noch in guten Regenjahren wasserreich ist. Aber damit ist es noch kein ackerbaufähiges Land. Unsre Kolonisation hat darum versucht, es dazu zu machen. Man will die Wasserarmut durch Staudämme und Wasserbohrungen heben. Doch sind bis jetzt keine nennenswerten Erfolge damit erzielt worden. Meiner Ansicht nach sind die mit vielen Kosten hergestellten Anlagen bis jetzt verfehlt. Es fehlt eben hier zu Lande jede Vorbedingung zu solchen, vor allem die feste Rasen- oder Steindecke, durch welche die Böschungen geschützt und widerstandsfähig gemacht werden. Zum andern führen unsre Flüsse und Talwasser- lünfe solche Mengen Schlamm und Sand mit sich, daß nach einigermaßen starkem Regen auch das schönste und tiefste Staubecken damit angefüllt ist, während das Wasser als hübscher Wasserfall über den Damm hinabfließt. Auch die Brunnenbohrungen haben nicht den erhofften Erfolg gehabt. Von den 28 Bohrlöchern bis zu 13, ja 65 in Tiefe haben nur vier starkes, vier wenig und 20 gar kein Wasser. Zu den ersten gehört auch der Brunnen auf Otjosazu. Er ist fast 14 in tief und nnr 15 Schritt vom Flußbett