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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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berge, der Omukuatjinvao und am weitesten im Nordosten der Okogava. (Über die Lage aller dieser Berge herrscht auch auf den besten Karten noch viel Unklarheit.)

Omaheke.

Macht schon der Charakter dieser meist kahlen und zerrissenen Berge und ihrer Umgebung auf das an Wälder und Felder gewöhnte Auge des Europäers keinen freundlichen und erfrischenden Eindruck, so wirkt erst recht die zwischen ihnen liegende Hochebene, die den Osten des Hererolandes einnimmt, das Sandfeld oder die Omaheke, wie der Herero sie nennt, geradezu eintönig und niederdrückend auf Auge und Gemüt. Sie beginnt im Süden hinter den Orten Otjikuara, Otjohangne, Otjongeama und erstreckt sich bis an den Okavangofluß und Ngamisee im Osten, wo sie in hohen Sanddünen endigt. Etwa 1 in hoch liegt der rote oder gelbe Sand auf dem Untergrund, den gewaltige Kalksteinlager bilden. Wellenförmig hebt und senkt sich das Gelände, dessen weitgestreckte Niederungen von Westen nach Osten laufen. So weit das Auge reicht, ist alles ein großes Grasfeld mit einem Wachstum bis zu l in Höhe. Aber nicht das dauernde saftige leuchtende Grün unsrer Wiesen glänzt uns daraus entgegen, sondern es liegt, namentlich wenn die Sonne das Gras schon ausgebrannt hat, ein gelbgrauer, melancholisch stimmender Ton über der weiten Fläche. Wir haben auch keine glatte Rasendecke vor uns; nur ver­einzelt stehen die hohen Grasstöcke, um sie her ist die Erde vom Regen fort- gespült; hie und da findet man sogar gänzlich kahle Stellen ohne Graswuchs. Dann wieder erheben sich zwischen den Grasstellen bald die oft 3-l in hohen Hügel der weißen Termiten, bald die kleineren kegelförmigen Bauten der roten und schwarzen Ameise, jeder von ihnen von Millionen dieser Tiere bevölkert; die letztgenannten haben sich ihre sauber gearbeiteten Wege zwischen den kleinen Grashügelchen, von denen sie den Grassamcn in ihre Wohnungen schleppen, mühsam gebahnt. Auch die unterirdischen Wühler, Mäuse, Ichneumons und Erdschweine, fehlen nicht; sie haben mit ihren Gängen den Boden oft so untergraben, daß es unmöglich ist, mit Wagen oder Pferden hindurchzukommen. Hier und dort findet man in den Tälern kleine Mimosen- wäldchen, die das Auge erfreuen; auf den Höhenrücken wächst vereinzelt Dorngestrüpp, rvnekt ssn dsstje genannt. Nur auf den Flächen bei Otjo- hangue, Okehoro, Epukiro und Etemba gibt es niedrige, vereinzelte, oft aber auch parkartig zusammenstehende Dornbäume, die in die breiten Flächen einige Abwechslung bringen. Die Omaheke erhält meist schon im Hoch­sommer, also schon im Oktober, reichlichen Frühregcn, dessen Feuchtigkeit das mehr flache Land besser festhält als der gebirgige Westen. Darum brennen die Herero meist schon im August oder September das alte Gras ab. Diese verheerenden Grasbrände verwandeln die riesigen Flächen zu schwarzem Staub;