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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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Handel anerkannt ist, vermag hier endlich einmal Wandel zu schaffen.

Hinsichtlich der Wiederbestockung irgendwelche Vorschriften zu erlassen, erachte ich im Hinblick auf die außerordentliche Regenerations­fähigkeit des hiesigen Waldes zunächst für unnötig, es sei denn, daß man die entstandenen größeren Kahlflächen versuchsweise mit bestimmten Holz­arten, oder aber, was für den Monda-Küstenwald wenigstens sicher aussichtsvoll wäre, mit ö 1 - p a 1 m e n wiederbestocken will.

So günstig ich eine glückliche Lösung der I .andungsfragen vorausgesetzt im allgemeinen das Monda-Gebiet für den Holzexport beurteile, so wenig aussichtsvoll erscheint mir von vornherein jedes Unternehmen, das nicht über genügendes Ka­pital verfügt, um wirklich großzügig arbeiten zu können. Mit einigen Hunderttausend Mark ist hier nicht gedient. Die Errichtung eines Säge­werkes, Beschaffung von Segelschiffen, eventuell Dampfern, Bahn- und Wasserbauten usw. erfordern voraussichtlich Millionen. Kann mit derartigen Mitteln nicht gearbeitet werden, so erachte ich ein Großunternehmen für nicht lebensfähig. Für das Monda-Gebiet gilt dasselbe wie für alle Holzunter­nehmungen desAuslandes: nur das Millionenwerk kann bestehen, oder der mit ganz geringen Auslagen arbeitende Kleinbetrieb. Ein Mittelding gibt es nicht.

Mit dem Walde und der Möglichkeit seiner Nutzung sinkt und steigt der Wert des ganzen Muni-Bezirkes. Bei seinem großen Reichtum an be­gehrten Nutzhölzern und den zum Teil außerordent­lich günstigen Bringungsverhältnissen ist es durch­aus nicht ausgeschlossen, daß der Muni-Bezirk viel­leicht noch ein besonders schätzenswerter Teil un­serer Neuerwerbungen wird.

3. Die Arbeiterverhältnisse.

Wie bereits erwähnt, ist der Pangwe trotz seiner sonstigen Trägheit und Arbeitsscheu zur Waldarbeit zu haben. Er ist ein außerordentlich gewandter Holzfäller, der mit seinen primitiven Werkzeugen Erstaunliches leistet, versteht auch den Transport der Blöcher zu Land und zu Wasser in einer Weise, daß er hier von dem Europäer nur mehr wenig lernen kann. Kurz und gut, der Pangwe ist zur Holzarbeit im Akkord vorzüglich zu gebrauchen und z. Zt. auch noch mit Bezahlung durchaus nicht verwöhnt, so daß er einen billigen und leistungs­fähigen Waldarbeiter abgeben könnte. Den Pangwe zur Arbeit heranzuziehen, ist, wenn durch Anlage von Buschfaktoreien er allmählich Bedürfnisse ken­nen lernt, nach den bisherigen Erfahrungen nicht

allzu schwer. Es bleibt nur die Frage zu lösen, ob es überhaupt möglich ist, mit den verfügbaren Ar­beitskräften das jährliche Fällungsquantum von 80000 bis 100000 fm zu liefern.

Bei Unterstellung einer Bevölkerungsziffer von 6000 bis 8000 Köpfen in dem zunächst für den An­griff in Betracht kommenden Waldgebiete könnten höchstens 1 ) 1500 bis 2000 Männer für die Waldarbeit gewonnen werden. Auf den Kopf wür­den also jährlich lediglich 40 bis 50 cbm kommen, was einschließlich Transport leicht geleistet wer­den könnte. Tn der Praxis aber wird sich wohl sehr oft zeigen, daß der einzelne mit der Arbeit dann auf­hört, wenn er soviel erworben hat, als er für seine kleinen Bedürfnisse benötigt, was wie die bis­herigen Erfahrungen gezeigt meist schon mit der Lieferung von zwei bis drei Blöchern (im Durch­schnitt also vielleicht 10 cbm) der Fall ist. Dies Verhältnis wird sich ja mit der Zeit, wenn der Pangwe sich auch einmal an größere Bedürfnisse und bessere Lebensführung gewöhnt hat, ändern, zu­nächst aber wird man die volle Ausnützung der Er­tragsmöglichkeit der Waldungen mit der zu erwar­tenden Arbeitsleistung der noch ansässigen Bevöl­kerung 2 ) bei weitem nicht erreichen. Ein sich im Muni-Bezirke eventuell etablierendes Groß-Holz- unternehmen müßte demnach unter allen Umständen mit Einfuhr fremder Arbeiter rechnen, vor allem schon aus dem Grunde, um bei der Unzuverlässig­keit der Pangwe nicht alle Augenblicke im Betriebe gestört zu sein.

III. Die politischen Verhältnisse.

Obwohl der heutige deutsche Muni - Bezirk- schön mehr als ein Jahrzehnt von den Franzosen in tatsächliche Verwaltung genommen und zeitweise mit fünf weißen Beamten besetzt war, 3 ) denen zur Unterstützung eine Polizeimannschaft von minde­stens 50 Mann zu Verfügung stand, ist ein durch­schlagender Erfolg der Verwaltungstätigkeit nicht erzielt worden. Eine große Anzahl von Dörfern im Innern haben erst seit der kurzen deutschen Herr­schaft einen Weißen zu Gesicht bekommen, von irgendwelcher Autorität der Verwaltung war im

') 5 : 1 wird vermutlich das Verhältnis der Bevölkerungs­ziffer zum arbeitsfähigen Manne besser treffen als das ange­führte Verhältnis von 4:1.

2 ) Es ist wohl auch zu erwarten, daß ein Teil der seit etwa Jahresfrist ständig abwandernden Bevölkerung wieder zurückkommen wird und dadurch das Arbeitsangebot ein günstigeres wird.

3 ) Sitz der Verwaltung war Ekododo, das durch eine Überlandlinie telegraphisch mit Libreville, dem Sitz des Lieutnant-Gouverneur, verbunden war.