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Wildschutz.
Bei dem geringen Wildstande des Muni-Gebietes einerseits, sowie bei den großen Schwierigkeiten, in den unermeßlichen Waldungen das Wild bis zur Vernichtung derart zu verfolgen, bedarf es irgendwelcher besonderer Wildschutzmaßnahmen nicht Sollte es möglich sein, das für Alt-Kamerun geltende Gorilla-Verbot auch bei den Pangwe möglichst bald zur Geltung zu bringen, so kann vielleicht der geringe Rest dieser großen Affen noch erhalten werden. Ob jedoch die bei strenger Durchführung dieses Verbotes z. Zt. noch zu erwartenden Schwierigkeiten im Verhältnisse zu dem besten Falles zu erhoffenden Resultate stehen, ist eine andere Frage.
II. Die wirtschaftlichen Verhältnisse.
1. Die Verkehrsverhältnisse.
Es wird wohl nicht viel Gebiete in unseren Kolonien geben, welche so außerordentlich günstige natürliche Verkehrsmittel haben wie ein großer Teil des Muni-Bezirkes. Nicht nur das als „Muni-Noja“ bezeichnete Zentralgebiet zeigt infolge seiner weit ins Innere schiffbaren Flüsse, seiner weitverzweigten, meist im Flutgebiet gelegenen Wasseradern, seiner vorzüglichen, für 8000 bis 10000 tonnige Schiffe noch geeigneten Ankerplätze ungewöhnlich glückliche Verhältnisse, sondern auch das reiche „Monda-Gebiet“; dieses freilich nur unter der Voraussetzung, daß auch hier eine einwandfreie, gutgelegene Ankerstelle gefunden wird, was nach den eingezogenen Erkundungen außer Zweifel zu sein scheint. 1 ) Lediglich das Hinterland des „Mbei- Komo-Abanga-Gebiets“ ist z. Zt. noch vom Verkehr so gut wie ausgeschaltet und wird es auch so lange bleiben, bis es durch einen Schienenstrang erschlossen wird. Wege und Trägerpfade kommen, da die wirtschaftliche Zukunft des Muni-Bezirkes so ziemlich ausschließlich in seinem Holzexport beruht, worauf noch des näheren eingegangen werden wird, in der Hauptsache wohl nur mehr für den Personenverkehr in Betracht.
Wenn nun trotz der so günstig beurteilten' j natürlichen Verkehrsverhältnisse für die Er- j Schließung des Landes bisher so wenig geschehen j ist und eigentlich nur eine Linie, 2 ) und diese nicht j immer jeden Monat regelmäßig hier anlief, so lag J dies wohl zum guten Teil daran, daß bisher so gut ! wie nichts zur Förderung des Handels getan wurde , und die wenigen hier ansässigen Firmen mit einer j Ausnahme schlecht vertreten waren. Darin ist in !
] ) Südlich des Mondaberges, der Ongam-Mündung gegenüber.
2 ) Woermann.
der kurzen Zeit seit der Übernahme schon eine bedeutende Wandlung zum Besseren eingetreten, neue leistungsfähige Firmen haben sich niedergelassen, weitere werden vermutlich in allernächster Zeit folgen, und damit wird von selbst eine regere Schiffsverbindung einsetzen, namentlich, wenn durch entsprechende Betonnung und Befeuerung das vorzügliche Fahrwasser gefahrlos und besser ausgenützt werden kann als bisher.
2. Die Ausfuhrprodukte des Landes. Ergebnisse der forstlichen Erkundung.
Für die Ausfuhr — und nur diese soll zunächst behandelt werden — kommt, wie bereits mehrfach erwähnt, für die nächste Zukunft schon in erster Linie und für spätere Zeiten vielleicht überhaupt ausschließlich, das Holz in Betracht.
Der Kautschuk, der anfangs überwiegend die Ausfuhr deckte, wurde allmählich mehr und mehr von dem Holze verdrängt, ist. nach übereinstimmendem PIrteil der schwarzen Händler schon sehr bedeutend im Abnehmen begriffen und wird sich wohl, da eine unrationelle, die einzelnen Individuen vernichtende Art der Saftgewinnung getrieben wurde, nie mehr erholen. Zudem wird der Muni-Kautschuk durchschnittlich schlecht bewertet, was vielleicht an der Qualität der Pflanzen (Lianen), vielleicht aber auch in unsauberer Aufbereitung und unzulässigen Beimischungen von seiten der Eingeborenen gelegen sein mag. Die Folge davon ist, daß alle Firmen bereits beginnen, das Schwergewicht auf das Holzgeschäft zu verlegen, und damit sicherlich auf ihre Kosten kommen werden.
Der deutsche Muni-Bezirk ist reich durch seinen Wald, aber auch nur durch seinen Wald. Dieser beherrscht alles, erstickt aber auch alles andere, so daß zur Zeit wenigstens noch der wirtschaftliche Wert des Bezirkes nichts anderes ist als sein Waldwert.
Der Wald allein kommt für die nächste Zukunft bei Unternehmungen größeren Stils in Betracht, wie er auch schon bisher nahezu ausschließlich den immerhin nicht unbedeutenden Export des Bezirkes gedeckt hat. Holz und Kautschuk waren bis jetzt die weitaus wichtigsten Ausfuhrartikel. Für die Zukunft wird wohl, da der Jahrzehnte lang getriebene Raubbau die Kautschukvorräte 1 ) bereits merklich gelichtet hat, das Holz noch mehr als bisher die Ausfuhr beherrschen. Der Wald als Nutzholzlieferant stellt für den Muni-Bezirk das wirtschaftliche Schwergewicht dar. Die forstlichen Nebenprodukte können wohl die Rentabilität eines Unter-
*) Hauptsächlich Lianen, Kickxien nur wenig vorhanden.
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