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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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Das deutsche Muni-Gebiet.

Vorläufige Berichte vom Kgl. Bayr. Forstmeister Dr. Georg Esche rieh.

I. Die natürlichen Verhältnisse.

1. Grenzen.

DasDeutsche Muni-Gebiet, wenn man geographisch zu Unrecht das unter Verwaltung der Station Ukoko stehendeKüstendreieck so be­zeichnen will, grenzt im Westen auf etwa 45 km an den Atlantischen Ozean, im Norden verläuft die Grenze im Talweg des Muni und Temboni bis zum i° nördlicher Breite, fällt dann mit diesem Breiten­grade zusammen bis zum Schnittpunkte mit dem 9.Längengrad östl. von Paris (n°2o' östl. von Green­wich). Letzterer bildet vorläufig auch noch im Osten die Bezirksgrenze bis zur deutsch - französischen Grenze, deren Verlauf zur Zeit durch die beider­seitigen Grenzkommissionen endgültig festgelegt und vermessen wird.

Die unglückliche Gestaltung des nach Osten sich auf wenige Kilometer verjüngenden Bezirkes wird noch dadurch besonders verschärft, daß die Nordgrenze ohne Rücksicht auf hydrographische, orographische und wirtschaftliche Verhältnisse lediglich einer idealen geographischen Linie folgt, die in der Praxis nie und nimmer eingehalten wer­den kann, die aber die Verwaltung ungemein er­schwert.

2. Hydrographische Verhältnisse.

Hinsichtlich der hydrographischen Verhältnisse kann man drei Gebiete unterscheiden:

1. Das zum Atlantischen Ozean abwässernde Küstengebiet, kurzweg alsMonda-Gebiet bezeichnet;

2. das zum Muni entwässernde Gebiet, kurz alsMuni-Noja-Gebiet bezeichnet;

3. das daran bis zur Ostgrenze sich er­streckende zu den Flußsystemen Ogoue und Gabun gehörige Gebiet, das nach den größ­ten Wasserläufen Mbei-Komo-Abanga be­nannt werden kann.

Aus dem Monda-Gebiete münden eine große Anzahl von Wasserläufen, die zum Teil wie der Ongam, der Massotie, Imone im Innern ein weit­verzweigtes Netz von Wasseradern bilden, in den Atlantischen Ozean. Alle diese Wasserläufe sind in ihrem Unterlaufe ganz und zum Teil noch mit ihrem Oberlaufe im Gebiet der hier besonders stark auf­tretenden Flut gelegen, so daß sie z. B. die Holztrift nach beiden Richtungen hin ermöglichen. Der On­gam und. Massotie sind bei Hochwasserstand auf weite Strecken, der Imon und Libi auf kürzere mit

schweren Booten und Barkassen fahrbar, so daß also für das relativ kleine Gebiet eine große Zahl billigster natürlicher Transportverhältnisse zur Ver­fügung steht. Und doch ist das Gebiet heute noch so gut wie unerschlossen, da ihm trotz seiner über 40 km langen Küstenstrecke der Zugang zum Meere fehlt. Von Ukoko nämlich bis Monda ist die Küste so flach und versumpft, daß es zur Zeit der Ebbe nicht einmal flachen Kanus möglich ist, aus den ge­nannten Wasserläufen zur See zu gelangen. Die Ausfuhr könnte also nur zur Zeit des Hochwasser­standes vonstatten gehen, und auch dann ist sie außerordentlich schwierig, da die Dampfer mehrere Seemeilen weit draußen liegen bleiben und die Über­nahme demnach auf hoher See stattfinden müßte. Die Schwierigkeiten sind derartig, daß zur Zeit Dampfer an dieser Küste überhaupt nicht mehr an- legen. Bessere Landungsverhältnisse scheinen süd­lich des Monda-Berges zu sein, worüber die dem­nächst stattfindenden Vermessungen wohl näheren Aufschluß geben werden. Fällt dieser günstig aus, so wird der Ongam der Schlüssel zur Erschließung des ganzen Gebietes werden.

DasM uni-No ja-Gebiet hat vor allem den Vorzug, längs des Muni von Ukoko bis Butika und noch darüber hinaus gut gelegene Ankerplätze selbst für schwere Frachtdampfer zu haben, so daß damit schon seine wirtschaftliche Überlegenheit ge­geben ist. Zudem sind der Noja und der Temboni die beiden für den Bezirk wichtigsten Zuflüsse des Muni bis Nkan bzw. bis zur spanischen Grenze zu jeder Zeit mit großen Fracht- und Motor­booten 1 ) schiffbar und erschließen mit ihren zahl­reichen zum Teil noch im Flußgebiet gelegenen Nebenflüssen, die zur Holztrift ausnahmslos ver­wendbar sind, den Bezirk in einer nahezu vollkom­menen Weise.

Das nächstfolgende, bis zur Ostgrenze des Be­zirks sich erstreckende Mbei-(Komo-)Abanga-Ge- biet gehört, wie bereits erwähnt, hydrographisch zwei getrennten Flußsystemen an, doch ist dies wirtschaftlich ohne Bedeutung, da keines der ge­nannten Gewässer für den Export in Betracht kommt. Alle bedeutenderen Wasserläufe dieses Ge­bietes haben gemeinsam, daß sie aus spanischem Hochlande kommen, den deutschen Gebietsstreifen in einer allgemeinen Nord-Südrichtung durchqueren

i) Mit Rücksicht auf die sehr merkbare Flut sind nur starke Motoren verwendbar.

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