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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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X. Die Südpolcirländer.

ineist lichtgraue Thonschiefer und eisenhaltige, schwarze Schiefer, die anscheinend von Nordosten nach Südwesten gefaltet und steil aufgerichtet sind. Schmal und lang, von Nordwesten gegen Südosten gerichtet, hat auch Südgeorgien den Charakter regenreicher Gegenden in höheren Breiten: eine äußerst schroffe, oft senkrechte, ausgezackte Küste mit Fjordbildungen, zahlreichen Buchten, Halbinseln, Vorsprüngen, Küsteninseln, Klippen, sehr steilen Böschungen meist ohne Vorland. Besonders im Südwesten erreichen die scharf ausgezackten Gebirge große Höhen (25003000 m), nahe bei der in: Nordosten gelegenen deutschen Polarstation 20002500 m, und gewähren einen imposanten Eindruck, zumal da mächtige Gletscher in breiten Thälern von ihnen herabhängen und gewaltige Massen von Schnee und Eis die Insel bedecken. Die Gletscher endigen meist (nach dem Werke: ,Die Beobachtnngsergebnisse der deutschen Stationen: II. Süd- georgieiü, Berlin 1886) an: Ufer der See mit teilweise mehrere Kilometer breiten, über 100 m hohen, wilden, zerrissenen und zerklüfteten Stirnen, die am Fuße von den Wogen der See nm- brandet sind". Unter den bekannteren Gletschern ist der in die Noyal-Bai fallende 1213 km lang, 78 llm breit, und der mit zwei Oberflächen-Moränen ausgestattete Roß-Gletscher gleicht einem erstarrten See. Erhebliche Mengen von Lawinen stürzen im Sommer auf die Gletscher herab, die Schneebedecknng wechselt aber natürlich je nach den Wintern. Die Umgebung der Station war im Winter oft schneefrei, soweit Humus reichte; die Schneelinie lag in 500600 m Höhe. Die Südwestküste ist jedoch noch stärker vergletschert als der Norden und Osten, da sie den fenchtigkeitsbringenden Westwinden ausgesetzt ist.

Auf den schneefreien Stellen wächst bis zur Höhe von 300 m das Tussockgras und der niedrige Strauch benenn, im übrigen nur 12 Phanerogamen. Dichter Graswnchs bedeckt die unteren steilen Hänge; darüber treten Flechten auf: die schwefelgelbe Bartflechte so häufig, daß sie förmlich waldbildend wird. Ein Gegensatz besteht zwischen den Nordhängen mit saftig grünen Matten und den fast vegetationslosen Südhängen. Obwohl auch noch die Seitenmoränen der Gletscher mit Tussockgras bewachsen sind, so stören doch heftige Winde die Blüten- und Frucht­bildung in hohem Grade. Die Küsten, an denen sich gewaltige Mengen des Riesentangs zeigen, werden belebt von See-Elefanten, See-Leoparden und 4 Arten Pinguinen, abgesehen von der Kerguelen-Taube und einem lerchenartigen Lnndsingvogel.

L. Das antarktische Gebiet im engeren Sinne.

Wir gelangen nun zu einem der größten Archipele des Südpolargebietes, den: südlich von Südamerika sich ausdehnenden Jnselgebiet, dessen Kern Graham-Land ist, zu dem aber auch wahrscheinlich die Küste von Alexander-Land und ferner die Südshetland-Grnppe, die Südorkney-Jnseln, die Elephant- und Clarence-Jnseln und die durch die Fahrt desJason" nenentdeckten vulkanischen Inseln gehören. Ob freilich diese Länder wirklich ein Archipel sind, wissen wir nicht genau. Für den nördlichen Teil ist das durch die soeben er­wähnte Reise desJason" 1893 94 sichergestellt, da diese die Ostküste von Graham-Land bis 680 sM. Breite und 600 westl. Länge klargelegt hat; allein es besteht noch die Möglichkeit, daß eine Verbindung zwischen Graham-Land, Alexander-Land und Victoria-Land vorhanden wäre, so daß eine größere Ausdehnung des Landes nicht von der Hand gewiesen werden darf. Nach Friederichsen's Vorschlag bürgert sich jetzt für die Inseln zwischen 61 und 67° südl. Breite nach dem Entdecker der NameDirck-Gherrits-Archipel" ein.

Den Übergang von Südgeorgien zu dem Archipel bilden die unter 60Vs61° südl. Breite und 4446VeO westl. Länge liegenden Südorkney-Jnseln. Diese bestehen aus dem 940 m hohen Laurie in: Osten und der 1320 m erreichenden Coronation-Jnsel im Westen, den kleinen