X. Die Südpolarlän-er.
1. Lage, Grenzen und Größe.
Die Umgebungen des Südpols der Erde sind uns Menschen bisher weniger zugänglich gewesen als irgend ein anderer Teil unseres Planeten. Hier liegt noch das größte unerforschte Gebiet der Erde, ein uns unbekannter Raum von nahezu 16 Millionen Quadratkilometer, also mehr als der doppelten Größe Australiens. Unsere Kenntnisse dieser Gegenden sind noch so gering, daß wir nicht einmal annähernd anzugeben vermögen, wieviel davon Land und wieviel Wasser ist. Außerdem aber schwankt der Begriff Südpolarregionen, ähnlich wie die Ausdehnung des Südlichen Eismeeres willkürlich vergrößert und verringert werden kann, je nachdem man seine Grenzen gegen die übrigen Ozeane nach Norden vorschiebt oder nach Süden zurückdrängt.
Niemand wird einen Zweifel darüber haben, daß als Südpolarrüume in erster Linie die innerhalb des südlichen Polarkreises gelegenen Gebiete bezeichnet werden müssen; diesen werden auch alle in: Zusammenhang mit ihnen über den Polarkreis hinausragenden Küsten und Inseln zugezählt, so daß mit Sicherheit alles innerhalb des 66. Breitengrades liegende Areal den: Südpolargebiet angeschlossen wird. Weiterhin aber bestehen Zweifel über die Ausdehnung unseres Begriffes. Die neuere Meereskunde legt die Grenze des Südlichen Eismeeres gegen die übrigen Weltmeere in den 60. südlichen Breitenkreis, oder teilt es ganz in die drei großen Ozeane auf. Der 60. Breitenkreis empfiehlt sich zur Abgrenzung des Südpolargebiets durch den Umstand, daß die durchschnittliche Treibeisgrenze nahe bei ihn: verläuft, und auch deshalb, weil einer der Kontinente, Südamerika, mit seiner Südspitze bis an den 56. Grad heranreicht. Gegen Australien und Afrika dringt aber das Treibeis bis über den 45. Grad vor und erreicht bei Afrika nahezu die Südspitze des Kontinents, in: südatlantischen Ozean den 37. Grad. Berechnet man demgemäß das Südpolargebiet bis an die Grenzen des Treibeises, so würden Kergnelen-Land, die MacDonnell-Gruppe, die Crozet-, Prinz-Eduard- und Bonvet-Gruppe, die Sandwich-Gruppe (55 — 590 südl. Breite) und Südgeorgien zu den Südpolargebieten zu rechnen sein. Hierfür sprechen zwei weitere Gesichtspunkte, nämlich einmal, daß in der That diese Inselgruppen süd- polares ozeanisches Klima haben und demgemäß vielfach vergletschert oder doch in den höheren Teilen stets, in den niederen in: Winter, der größerer: Jahreshälfte, vereist und verschneit sind; zweitens aber, daß alle diese Inselgruppe:: dauernd unbewohnt sind. Dies gilt freilich auch