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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
484
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Überschreitung des Südpolarkreises am 26. Dezember 1894 gelang es demAntarctic", Mitte Januar 1895 das Victoria-Land in Sicht zu bekommen, dem es bis 74? südl. Breite zur Coul- man-Jnsel folgte. Diese Reise, aus welcher E. Borchgrevink wissenschaftliches Material ge­sammelt hat, ist deshalb von großer Bedeutung, weil auf ihr das Victoria-Land zum zweitenmal besucht und zum erstenmal wirklich betreten wurde, wobei sich die Beobachtungen von James (5. Roß über die Landesnatur bestätigten. Außerdem wurden aus den Possession-Jnseln in 10 m Höhe über den: Meere die erste Pflanze des eigentlichen Südpolargebietes, eine Art Leberkraut, und auf Kap Adare Kryptognmen gesunden. Die Fahrt desAntarctic" ist daher wohl in hohem Grade geeignet, die Bestrebungen zur wissenschaftlichen Untersuchung des Südpolargebietes neu zu beleben.

4. HberMchengestatt.

4. Die snbantarktischen Inselgruppen zwischen 37" nnd 60" südl. Breite.

Die Besprechung der Inselgruppen der südlichen Polargebiete beginnen wir mit einer Be­trachtung der Inseln Neu-Amsterdam und St. Paul. Diese liegen zwar an der Grenze des Gebietes der Südpolarländer, nördlich des 45. Grades, nördlich der Treibeisgrenze, und sind auch nicht völlig unbewohnt und vergletschert wie die südpolaren Inseln, wohl aber den: Welt­verkehr ebenso entrückt wie diese und anderen Erdräumen viel schwerer einzugliedern. Neu-Amsier- dam ist die größere unter diesen beiden Inseln und erhebt sich unter 37" 50' südl. Breite und 77" 30' östl. Länge; St. Paul ist eine Kraterruine, unter 38" 43' südl. Breite und 77" 31' östl. Länge. Beide sind lange miteinander verwechselt worden. St. Paul wurde zuerst 1842, 1844 und 1853 voll englischen Schiffen aufgenommen; und bald darauf wurde festgestellt, daß schon Tasman 17. Juli 1633 zwischen beiden Inseln durchgefahren ist, so daß dieser als Entdecker zu gelten hat. Ende 1857 landete sodann auf beiden Inseln der wissenschaftliche Stab der Fregatte Novara", und diesen Untersuchungen verdanken wir die jetzige Kenntnis von der Natur der Inseln.

St. Paul wird oft als Typus eines zerstörte!:, von: Meer überfluteten Jnselvulkans in Anspruch genommen (s. Abbildung, S. 485). Auf drei Seitei: steigt es zu etwa 240 m, der Höhe des alten Kraterrandes, an, in: Nordosten aber befindet sich der Durchbruch durch den Kraterrand. Von: oberen Kraterbeckenrand gegen das Meer herrscht allmähliche Abdachung, die ii: schroffen:, 60 m betragenden: Absturz endet. Lavaströme sind an verschiedenen Stellen nach­weisbar: iin Nordwesten erheben sich Schlackenkegel mit eingestürzten Spitze::, die Wände des Kraters sind mit buschigen Gräsern wie mit einer Decke überzöge::, das Becken macht den Ein­druck eines Amphitheaters. Die Insel ist der Brntplatz zahlloser Seevögel und beherbergte an ihren Küsten auch Robben in großer Menge. Daher war sie ein beliebter Stationsplatz für Robbenschläge:' und Walfänger und ist infolgedessen häufig, wenn auch nicht dauernd, bewohnt gewesen. Ihre Größe beträgt nur 7 cillm.

Neu-Amsterdam hat mit seinen 66 glcm etwa die zehnfache Größe von St. Paul, bietet aber in: Gegensatz zu diesen: keinen Hafen. Von nahezu rechteckiger Form fällt sie überall steil ab, hat fast senkrecht aufsteigende Küsten von 60 m Höhe, die mit dichten: langen Grase bewachsen sind nnd wird ununterbrochen von schwerer Brandung umtost, die eine Landung außerordentlich erschwert. Über den: Plateau der Insel erhebt sich ein 800 m hoher Pik, von dessen wolken- umhüllten Gehängen Wasserrinnen Herablaufen, die bei Negenmetter gut gestillt sind und dann jene Wasserfälle darbieten, die von den Seefahrern als ein charakteristisches Merkmal der Insel bezeichnet werden. Ungeheure basaltische Lavablöcke umranden die Insel, und hinter ihnen steigen senkrechte Felsmauern von 60 m Höhe auf, deren rote und braune Lavadecken und gelbe,