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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Tasmanien. Neuseeland.

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von der Einfuhr kam über ein Drittel aus England, von der Ausfuhr ging dagegen nur ein Sechstel nach England. Der Schiffsverkehr betrug 1892: 1645 Schiffe mit 1,137,140 Donnen Gehalt, von denen das meiste auf den größten Hafen der Insel, Hobart an der Südküste, ent­fällt. Die Eisenbahnlinien halten 1892 eine Länge von 676 km, die Telegraphenlinien eine solche von 3576 kau erreicht. Mit der Außenwelt steht Tasmanien in Verbindung durch die 207 Segelschiffe und 15 Dampfer betragende Handelsflotte mit 23,416 Tonnen Gehalt, von denen die beiden DampfschiffgesellschaftenTasmanian Steam Navigation Co." und Union Steamship Co." die bedeutendsten sind. Jene fährt zwischen Hobart, Launceston, Sydney und Melbourne, die zweite zwischen Hobart, Melbourne und Neuseeland.

Der Hauptort Hobart, früher Hobarttown (s. Abbildung, S. 80), liegt an der Mündung des Derwent im Süden der Insel, hatte 1891: 30,608 Einwohner und ist regelmäßig gebaut. Eine Anzahl von öffentlichen Gebäuden, sämtlich durch die Sträflinge erbaut, zieren die in hüge­ligem Waldgebiete (s. Abbildung, S. 210) angelegte Stadt, in deren Mitte sich ein öffentlicher Garten mit einer Statue Sir John Franklin's befindet. Besonders sehenswert sind der Palast des Statthalters, 2 km vor der Stadt, und der botanische Garten der Noyal Society of Tas- mania. Kleiner ist Launceston (15,703 Einwohner; s. Abbildung, S. 410) an dem Mün­dungstrichter des Tamar, 60 km von der Mündung gelegen; die übrigen Ortschaften sind aller­dings noch viel unbedeutender.

6. Neuseeland.

Die ersten Beziehungen der Kolonisten Australiens zu Neuseeland stammen aus den: Jahre 1793, als der Gouverneur King Maori von Neuseeland entführen ließ, um den Kolo­nisten von Norfolk die Bearbeitung des neuseeländischen Flachses, lllliownium tennx (s. Abbil­dung, S. 236), zu zeigen. Nach Überwindung der großen Furcht vor den kannibalischen Maori gründeten darauf Walfänger und Robbenschläge zu Anfang dieses Jahrhunderts zu Kororareka in der Jnselbai auf der Nordinsel eine Ansiedelung, von wo aus entlaufene Matrosen, Sträf­linge und Abenteurer Rum, Lebensmittel, Schweine, Flachs an die Maori verkauften und dafür mumifizierte Schädel eintauschten. So mehrten sich denn bald die Ansiedelungen an der Ostküste, an der Cook-Straße, der Foveaux-Straße, und die Beziehungen zu den Maori waren zunächst friedlicher Natur. 1814 landeten sodann an der Jnselbai die Missionare, deren Bemühungen, die Eingeborenen zu zivilisieren, an den fortwährenden Kämpfen scheiterten, die die Maori unter sich führten, namentlich solange als der Häuptling Hongi die ganze Nordinsel unter seine Herrschaft zu bringen suchte. 1826 scheiterte der Versuch, eine Kolonie in Neuseeland anzulegen, an dem Widerstände der Missionare, 1833 aber ersuchten 13 Häuptlinge die englische Regierung, einen Vertreter nach Kororareka zu senden, ein Wunsch, den: England aus Furcht vor einer Okkupa­tion Neuseelands durch Frankreich sofort willfahrte. Zu einer Besitzergreifung wurde indes die englische Regierung erst später gezwungen, nachdem die 1825 errichtete, 1839 neugegründete New Zealand Company ernstlich die Kolonisation der Doppelinsel betrieb, so daß die Regierung den Kolonisten ihren Schutz angedeihen lassen mußte. Daher wurde am 15. Juni 1839 Neu­seeland für einen Teil der Kolonie Neusüdwales erklärt. Die Ansiedler landeten an der Welling- ton-Vai und gründeten 1840 Wellington, wohin 1458 Personell einwanderten. 1841 wurden dann New Plymouth und Nelson durch die New Zealand Company, 1848 Otago durch eine schottische Gesellschaft, 1850 Canterbury durch die anglikanische Kirche gegründet. Nachdem 1858 Hawkes-Bai voll der Provinz Wellington und 1860 Marlborough von Nelson und Westland von Otago abgelöst waren, bestand die Provinzialeinteilung, bis im Jahre 1876 Counties ein­gerichtet wurden. Bald begannen jedoch Feindseligkeiten zwischen den Ansiedlern und den