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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VIII. Die Staaten und Kolonien.

Darling sind besonders Echuca und Wodonga bekannt geworden. Echuca ist der wichtigste Punkt für die Murray-Schiffahrt, leidet aber unter den: ungleichen Wafferstande des Flusses (s. Abbildung, S. 190) und der Beschränkung der Schiffahrt auf wenige Monate im Jahre. Es besteht aus kleinen Wohnhäusern, Cottages, zahlreichen Hütten, vielen Schenken und einigen öffentlichen Gebäuden sowie sechs Kirchen und hat 4500 Einwohner. Eine gewaltige Eisenbahn­brücke verbindet Echuca mit dein am rechter: Ufer des Murray gelegenen Grenzorte von Neusüd- wales, Moarna. Die zweite wichtigere Eisenbahnlinie, die die Verbindung mit Sydney erhält, erreicht den Fluß bei Wodonga, einer kleinen langgestreckten Stadt, deren Bedeutung in den: Verkehr mit dein gegenüberliegenden Albury und der Rolle als Grenzstadt und Eisenbahn- endpunkt Victorias liegt und sich in ziemlich regen: Leben ausspricht. Eine Reihe von kleinen Ortschaften, unter denen Wangaratta und Beechworth die bedeutendsten sind, liegen in der: Ebener: zwischen dem Murray und dem fast ganz menschenleeren Gebirge der Australischer: Alpei:, auf derer: Südseite sich das bisher noch sehr wenig besiedelte, aber fruchtbare Gippsland aus­dehnt. In Gippsland sind bisher nur der Hafen Bairnsdale und die Ortschaft Säle zu einiger Bedeutung gelangt, auch bereits durch Eisenbahn mit Melbourne verbünde::; doch läßt die Frucht­barkeit des Bodens baldige bessere Bebauung und Besiedelung erhoffen.

Etwas besser bevölkert ist der-Westen Victorias, in dem nur die Grampians einen fast unbewohnten Streifen bilden. Auch hier gaben Goldfunde Anlaß zur Erbauung vor: Ortschaften, z. B. Ararat und Stawell; Viehzucht belebt Hamilton: alles kleirre, im ganzer: freundliche Städtchen in öder Umgebung. Nahe bei Hamilton liegen die deutscher: Dörfer Hochkirch, Neukirch und Gnadenthal. Fast ganz unbewohnt ist der Nordwesten der Kolonie zwischen den: Hindmarsh-See und den: Murray.

L. Tasmanien.

Bereits irr: Jahre 1802 wurde von Neusüdwales aus in Tasmanien eine Sträflings­ansiedelung gegründet, die ar: der Mündung des Derwent als Restdown, später Risdon fortlebt. Irr: Jahre 1804 entstand am rechten Ufer des Flusses, wo sich 307 Sträflinge, 48 Marine­soldaten, aber nur 17 Frauen ansiedelte::, Hobart. Dieses Mißverhältnis der Geschlechter gab bald zu Frauenraub und Kämpfen mit den Eingeborenen Anlaß, die rasch in jener: furcht­barer: Vernichtungskampf ausarteten, der seitdem zurr: Untergänge der tasmanischen Eingeborenen geführt hat. Nachdem Tausende getötet und die Reste der Stämme ins Innere gejagt worden waren, anderseits auch die Tasrnanier blutige Rache genommen hatten, gelang es endlich einem Baumeister von Hobart, George Augustus Robinson, die Eingeborenen zur Auswanderung auf benachbarte Inseln zu veranlassen, zuerst nach der Schwanen- und Gun Carriage-, dann nach der Flinders-Insel, wo sie zivilisiert wurden, aber so sehr ar: Zahl zurückgingen, daß man die letzten nach Oyster Cove irr: d'Entrecasteaux-Kanal überführte. 1815 sollen 5000 Tasrnanier gezählt worden sein, 1861 lebten nur noch 18, und 1876 starb der Staunn mit Trucanini (oder Lalla Rookh) gänzlich aus. Dem gegenüber vermehrte sich die Zahl der Kolonisten mehr und mehr, indem von 180353: 67,655 Sträflinge (darunter 11,613 Weiber) eingeführt wurden, neben ihnen aber auch freie Einwanderer das Land besiedelten. Erst Ende der siebziger Jahre wurde die letzte Strafanstalt auf der Halbinsel Tasmar: am Port Arthur aufgehoben, so daß die Bevölkerung der Insel seitderr: ausschließlich aus Freier: besteht. Irr: Jahre 1825 vor: Neu­südwales losgelöst und zur selbständiger: Kolonie erklärt, birgt Tasmanien jetzt 146,667, nach einer Berechnung für 1892: 153,144 Menschen; damit beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit der 67,894 glou großer: Insel jetzt 2,2, etwas mehr als in Neusüdwales, weniger als in Victoria.