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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Australien: Südaustralien. Victoria.

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Lobeth, Tanunda, Springton, Callington. Mallche bilden deutsche Pfarrgemeinen, wie Hahndorf, andere deutsche Kirchgemeinen, wieder andere haben deutsche Schulen und geben deutsche Zei­tungen heraus. Auch Aorketown auf der Halbinsel Dorke ist ein mit Deutschet: besetzter Ort, im äußersten Südosten Südaustraliens befindet sich eine deutsche Kolonie in Gambierton am Cooper Creek; östlich vorn Eyre-See besteht die Missions-Station Bethesda oder Kopperanama der Jmmanuel-Synode in Südaustralien. Im ganzen bildet die Zahl der Deutschen mit 30,000 ungefähr ein Zehntel der Gesamtbevölkerung Südaustraliens. Doch entspricht dein der Einfluß der Deutschen nicht, sondern sie verschwinden unter der Menge und halten leider auch, wie viel­fach im Auslande, nicht zusammen.

k) Victoria.

Victoria, die kleinste aller australischen Festlandskolonien, bedeckt mit ihren 229,078 gkm doch noch einen Flächenraum, der etwa zwei Drittel Preußens ausmacht. Auf diesen: Gebiete wohnten 1891: 1,140,405, nach einer Schätzung von 1892: 1,167,373 Menschen, also etwas mehr als in Hessen, etwas weniger als in Schleswig-Holstein; die Volksdichte ergibt daher die Ziffer 5 auf das Quadratkilometer. Wenn diese auch sonnt nicht groß ist, so übertrifft sie doch alle übrigen australischen Kolonien und ist viermal größer als in Neusüdwales. Das liegt daran, daß der Kolonie Victoria nur ein geringer Teil des dürren und öder: Landes nördlich der wasserscheidenden Gebirgskette zugehört, während Neusüdwales einen großer: Teil des Murray- Darling-Stromgebietes umfaßt. Daher drücke:: die menschenleeren Ödungen des Inneren die Ziffer der Volksdichte in Victoria nicht so herunter wie in Neusüdwales. Vergleicht man dagegen die Volksdichte von Victoria und Neusüdwales nur von den: Gebirge an seewärts, so ergibt sich, daß Neusüdwales stellenweise noch besser besiedelt ist als Victoria: auf der Strecke Sydney- Bathurst und Sydney-Goulburn beträgt die Volksdichte 25 50 aus das Quadratkilometer. Das ist in Victoria nur auf der schmalen Zone zwischen Melbourne und Bairnsdale in Gipps- land der Fall. Dagegen ist die Anhäufung der Bevölkerung um den Mittelpunkt der Kolonie, Melbourne, dichter als in Neusüdwales um Sydney, und die dritte Zone der Bevölkerungs- dichtigkeit (mit 110 Einwohnern aus das Quadratkilometer; siehe unsere Karte (oben, S. 272s) ist in Victoria über einen größeren Teil der Kolonie ausgebreitet als in Neusüdwales, nämlich im mittleren Teile bis an den Murray und in: Weste:: bis zu der Grenze gegen Südaustralien. Schwach bevölkert sind nur die Umgebung der Australischen Alpen, diese selbst und das Gebiet der Grampians westlich von Melbourne. Auffallend ist in Victoria das Übergewicht der Städte über das Land. Melbourne allein beanspruchte 1891 mit seiner nächsten Umgebung von den 1,140,000 Einwohnern der Kolonie 490,896, also wenig unter der Hälfte, mit Bendigo und Ballarat zusammen 540,000, demnach die Hälfte der Gesamteinwohnerzahl des Landes, und dieses Verhältnis nimmt anscheinend zu ungunsten der ländlichen Bezirke zu, da seit 1881 Melbourne stärker gewachsen ist als die Bevölkerung des platten Landes. Überhaupt ist Victoria mehr gewachsen als irgend eine andere Kolonie Australiens; 1838 gegründet, hatte es 1851, als Port-Philipp-Distrikt von Neusüdwales losgelöst, noch nicht 100,000 Einwohner, dagegen in: März 1881, also nach 30 Jahren, bereits 862,346. Dieses Anwachsen kau: wesentlich infolge der Entdeckung von Gold (1851) zu stände und erhielt sich unvermindert bis zum Aufhören des Goldfiebers, so daß 1856 die Kolonie schon fast 400,000 Einwohner besaß, verminderte sich dann zwar, stockte aber nie ganz, wie denn auch noch 1889 Victoria die meisten Einwanderer, 84,582 erhielt, denen 68,418 Auswanderer gegenüberstanden. Im Jahre 1888 aber hatte der Über­schuß fast 40,000 Köpfe betragen. In: ganzen ist die Bevölkerung von Victoria rascher gestiegen