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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Australien: Nordterritorium. Queensland.

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e) Queensland.

Die Kolonie Queensland (d. h. Königin-Land) umfaßt deu ganzen Nordosten des Kon­tinents von: Südende des Carpentaria-Golfes bis südwärts von der Moreton-Bai an der Ostküste. Mit ihrem ansehnlichen Flächeninhalt von 1,730,721 t^km übertrifft sie mehr als dreimal die Größe des Deutschen Reiches; allerdings lebtet: 1891 in ihr nur 393,718 Menschen, d. h. etwas weniger als in der Stadt Leipzig, so daß die Bevölkernngsdichtigkeit, nur 0,2 auf das Quadrat­kilometer, noch sehr gering ist. Die Kolonie entstand aus der Ansiedelung an der Moreton-Bai, indem dort an der Stelle des heutigen Brisbane 1825 eine Sträflingskolonie angelegt worden war, die bis 1839 mit den schlimmsten Verbrechern versorgt wurde. Seitdem dann im Jahre 1842 den freien Einwanderern dieses Gebiet geöffnet worden war, stieg die Einwohnerzahl stetig: bis 1846 auf 2257, 1851 auf 8575 und 1856 auf 17,082. Im Jahre 1859 löste sich die Kolonie von Neusüdwales los, erhielt den Namen Queensland und wuchs tun: rasch, unterstützt durch starke Einwanderung, von 213,525 Seelen im Jahre 1881 anf 322,853 in: Jahre 1886.

Von diesen wohnten in: letztgenannter: Jahr auf der Halbinsel Jork 15,500, anf der Ab­dachung nach dem Großen Ozean dagegen 245,128, und zwar in: Stromgebiet des Bnrdekin 40,649, in den: des Fitzrop 29,061, ir: den: des Burnett 42,219 und in: Gebiet vor: Brisbane 133,199. Nach derr: Inneren zu wird die Bevölkerung um so spärlicher, je weiter man vor: Süden nach Norden gelangt, indem auf die Darling Downs noch 33,084, auf das westliche Darling-Gebiet 10,929, auf das Epre-Gebiet 12,022 und anf das Carpentaria-Gebiet 6140 kamen, irr: ganzer: 62,175, also eir: Viertel der Zahl des pazifischer: Abhanges.

Dieselbe Zunahme der Bevölkerung nach Süden ergibt sich auch, wenn man drei Abteilungen, Nord-, Mittel- und Süd-Queensland, nach derr: offizieller: Zensus der Kolonie unterscheidet. Auf den Nordei: fallen dann 62,339, auf den Süden 221,693 und anf die Mitte 38,821 Ein­wohner. Ebenso nimmt die Bevölkerung ganz allgemein vor: der Küste nach derr: Inneren ab. Unter der: Fremder: waren 1886: 10,500 Chinesen, 10,165 Polpnesier und 1162 andere. Die Zahl der Eingeborenen, die nicht irr: Zensus enthalten sind, wurde (wahrscheinlich viel zu gering) anf 11,900 geschätzt. Die städtische Bevölkerung ist ir: Queensland geringer als die ländliche; wer::: man freilich mit den: Zensus alle Orte mit über 100 Einwohnern Städte nennt, so falle,: irr: Norde,: 48, ir: der Mitte 52, in: Süden 53 Prozent auf dieStadtbevölkernng". Ir: jeden: Falle aber hatte Brisbane 1886 mit 51,689 Einwohnern damals 16 Prozent der Einwohner der Gesamtkolonie und nach der Zählung von 1891 mit 93,657 sogar 25 Prozent der gesamter: Einwohnerschaft der Kolonie; doch ist in der letzter: Zahl die Umgebung der Stadt mitgerechnet. Übrigens ist Brisbane die einzige größere Stadt des Landes. Das männliche Geschlecht über­wiegt auch in Queensland erheblich das weibliche.

Queensland zerfällt wirtschaftlich ir: drei Gebiete: a) der: Zucker pflanzenden tropischer: Norden, ll) das Viehzucht treibende Innere und e) die Bergbau pflegender: mittleren Küstengraf- schaften und südlicher: gebirgiger: Gebiete. Viehzucht, Ackerbau und Bergbau sind sonach die wichtigster: Beschäftigungei: der Bevölkerung und Haber: bereits eine solche Bedeutung erlangt, daß Queensland Ende der achtziger Jahre ir: der Handelsbewegung die dritte Stelle unter der: australischer: Kolonien einnahm, bis es seit derr: Beginn der neunziger Jahre durch Südaustralier: überflügelt wurde. Ir: der Wollansfuhr dageger: hat es auch jetzt noch seiner: alter: Platz be­hauptet. Wolle ist auch ir: Queensland das wichtigste Ansfnhrprodnkt und die Viehzucht dem­nach der hervorragendste Wirtschaftszweig in der Kolonie, weil sie sich hauptsächlich mit der Schaf­zucht abgibt. Doch scheint die Rindviehzucht noch größere Anssichten auf Erfolg zu Haber:, da das vielfach feuchte und überall heiße Klima der: Schafen weniger zusagt als das der südlicherer: