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VIII. Die Staaten und Kolonien.
Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient jetzt der nördlichste Teil Westaustraliens, der sogenannte Kimberley-Distrikt, weil hier durch Forrest's Reisen 1879 sehr reiche Weidegründe und 1885 auch Gold aufgefunden worden sind, so daß sich dieses Gebiet um den Fitzroy-Fluß, eins der fruchtbarsten Australiens, jetzt mit Ansiedlern und Herden füllt. Nebenbei ist der Kimberley-Distrikt reich an Kohlen, Eiseil, Achat, Jaspis, Chalcedon und endlich auch an Kalkstein der Kohlenformation, so daß auch diese Mineralien zum Aufschwung des Landes beitragen werden. Dabei sind die Weiden am Fitzroy und seinen Nebenflüssen so üppig, daß sie (nach John Forrest) mehr einer gepflegten Wiese als einem unbesetzten Landstrich gleichen: pro Acre sollen sie 3 Tonnen Heu ergeben können. Wild findet sich ebenfalls überall in Menge.
Das Nordterritorium.
Das Nordterritorium umfaßt mit den: im' Inneren gelegenen Alexandra-Land 1,355,891 giviu, ist also etwas kleiner als Queensland, aber um denselben Betrag größer als Südaustralien. Dies zuletzt kultivierte und noch nicht genügend organisierte Gebiet beherbergte 1881 nur 4554, 1891 nur 4898 Menschen. Vor 1870 war nur die Umgebung von Palmer- ston besiedelt; jetzt sind auch an den Mündungen und Unterlaufen der Flüsse Daly und Noper Versuche mit Viehzucht gemacht und Ansiedelungen angelegt worden, doch fehlt es außer dem Hafen Palmerston noch an Ortschaften. Dagegen besteht bereits eine Eisenbahn von Palmerston entlang der Telegraphenlinie nach den Quellen des Margaret-Flusses. Üppige Weiden dehnen sich am Daly-, Roper- und Victoria-Fluß aus, die der Viehzucht eine günstige Zukunft versprechen, und die Wahrscheinlichkeit künftiger Goldfunde liegt auch hier vor. Ferner gewährt die prachtvolle tropische Vegetation an den Flüssen die Aussicht auf erfolgreiche Anbau südlicher Produkte: wie Baumwolle, Zucker, Kaffee, Bananen. Namentlich der bereits in Angriff genommene Zuckerrohrbau scheint viel zu versprechen.
Das Nordterritorium ist zuerst von der Regierung von Südaustralien gefördert worden, indem eine Gesellschaft mit Land beschenkt wurde, um den Zuckerrohrbau zu treiben. Im März 1880 waren schon 120,000 Hektar Land veräußert, leider jedoch, ohne daß, außer iu der Viehzucht, ein Aufschwung erkennbar gewesen wäre. Gold, Kupfer, Zinn und Blei scheinen die wichtigsteil Metalle zu sein. Schiffbar haben sich die Flüsse Noper, Adelaide, Daly, Alligator und Victoria, wenigstens in ihrem Unterlauf, erwiesen. Den größten Teil der Bevölkerung bilden die auf den Zuckerrohrpflanzungen arbeitenden Chinesen, etwa 4000 an der Zahl, während die Weißen noch schwach vertreten sind. Wilde Büffel und Ponies voll Timor werden eingesungen, Rinder, Pferde und Schafe auf deu Weideu gehalten. Die Eingeborenen sollen ungefähr 12,000 Köpfe zählen. Der Hauptort Palmerston am Port Darwin hat bereits 1000 Einwohner, besitzt einen vorzüglichen Ankerplatz und ist Endpunkt des Kabels voll Banjoewangi und der Überland- telegraphenlinie; für die Goldfelder ist Southport der Hafen.
Während das Nordterritorium günstige Aussichten für die Zukunft bietet, ist das noch fast ganz unbewohnte Innere, Alexandra-Land, jedenfalls ärmlich und schwer zu erschließen. Die Bewohner konzentrieren sich an der Telegraphenlinie, besonders in Alice-Springs, und dringen ail ihr entlang immer tiefer ins Innere ein. Viehzucht und Erzgewinnung werden hier die wichtigsten Beschäftigungen sein; ja der Bergbau scheint in den Nubinminen am Elder-, Florence- ulld Maud-Fluß in der Umgebung der MacDonnell-Kette bereits einen leidlich günstigen Boden gefunden zu haben. Immerhin wird es noch geraumer Zeit bedürfen, ehe diese Gebiete besiedelt sein werden, obwohl die Eisenbahn von Südaustralien schon nahe an die Südgrenze von Alexandra-Land herandrängt und sich damit auch die Besiedelung allmählich einstellen wird.