Zeitschriftenband 
[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
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Die Ostmelanesier: Fidschi-Inseln. Die Mikronesier. ZU

Spiele sind ebenfalls häufig. Eins der bekanntesten ist das Vitiqa, wobei es darauf an­kommt, ein glattes Rohr mit einen: Kolben von schwerem, harten: Holz möglichst weit zu schleu­dern. Bein: Lavo-Spiel werden plattrunde, wie ein Fünfmarkstück große Früchte von vier an den Ecken einer Matte sitzenden Männern nach deren anderen: Ende hingeschleudert, mit den: Zwecke, die Lavos der Gegner von der Matte herabzustoßen. Ein weiteres Spiel heißt Viceqa, bei den: es darauf ankommt, rückwärts Steine gegen aufgestellte Stöcke zu schlendern und einige davon aus der Reihe zu stoßen. Das Bewersen mit Orangen, das Stechen mit den: Rohr nach einer an einen: Faden schwingenden Orange, neuerdings das von den Weißen gelernte Karten­spiel sind Vergnügungen beider Geschlechter, das Fischen und Sammeln von Muscheln eine Hauptbeschäftigung der Frauen, der Hühnerfang, wie schon bemerkt, eine solche der Männer.

Polynesisch waren die für die Familie maßgebenden Sitten. Nahezu ein Drittel der Kinder wurde getötet, eine polynesische Gepflogenheit, der der Rückgang der Bevölkerung mit zuzuschreiben ist; polynesisch war auch die Sitte, daß Witwen ihren: verstorbenen Gatten ins Grab freiwillig folgten, sowie der Gebrauch, daß alte Leute von ihren nächsten Verwandten nach vorher­gegangener Verständigung getötet wurden. Melanesischen und mikronesischen Ursprunges ist dagegen die Sitte, daß die unverheirateten Männer in besonderen Hütten zubrachten, die ver­heirateten wieder in anderen; ebendaher stammt auch die Polygamie. Dennoch war eine Art von Familienleben vorhanden, wahre Neigung bestimmte oft einen Eheband; gewöhnlich wurden freilich die Kinder schon früh verlobt, ohne Rücksicht auf ihren Willen.

Grausamkeit, Verräterei, Hinterlist sind den Fidschianern von ihrer melanesischen Abstam­mung her verblieben, Tapferkeit in: Kriege und Gastfreiheit waren polynesische Eigentümlichkeiten, Höflichkeit und strenge Ehrung der Häuptlinge zeigen ebenfalls polynesischen Einfluß, und die Dichtkunst hatte auch bei ihnen, wie in Polynesien, eine Stätte.

Vor allem aber unterscheidet die politische Organisation die Fidschi-Insulaner von ihren melanesischen Brüden:. Im Gegensatz zu der demokratischen Verfassung der Stämme Mela­nesiens besaßen die Fidschianer stark ausgebildete aristokratische Ansichten. Es gab einen König mit despotischer Gewalt (der letzte war der 1885 verstorbene Thakombau), daneben eine Reihe von großen Häuptlingen, Vorstehern der Distrikte, mit ebenfalls nahezu unumschränkter Gewalt über die Unterthanen. Diese Häuptlinge lagen aber gewöhnlich miteinander in: Kriege und haben durch die ewigen Fehden auch ihrerseits zum Rückgänge der Volkszahl beigetragen. Da­neben war eine Priesterschaft, die Mbete, nicht ohne Einfluß; sie bewahrte in kleinen Tempeln die zwölf kleinen Götterbilder, die einzigen der Inselgruppe, und vermittelte den Verkehr des Volkes mit dem Hauptgott Ndengei und den Untergöttern, allgemeinen, nationalen, Distrikts­und Familiengottheiten. Auch darin erkennt man unschwer polynesischen Einfluß.

O. Die Mikronesier.

Während die Australier und Melanesier deutlich ausgeprägte, scharf umgrenzte Völker­gruppen bilde::, besteht keine Übereinstimmung über die Mikronesier, die Bewohner der Ko- ralleninseln und wenigen vulkanischen Eilande Mikronesiens. Namentlich werden die Beziehungen der Mikronesier zu den Polynesien: unklar und höchst verschiedenartig beurteilt. Die einen wollen Mikronesier und Polynesier als eine gemeinsame Gruppe auffassen, andere erklären da­gegen, die beiden großen Südseestämme wichen völlig voneinander ab. Und dieser Gegensatz der Meinungen macht sich nicht nur in mehr oder weniger individuell subjektiven Schilderungen der Reisenden, sondern auch in den neuesten und genauen Untersuchungen hervorragender Gelehrter