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VII. Die Bevölkerung.
wenn außer den Männern auch die Frauen nahe herankommen; sobald sich diese aber bei der Annäherung Weißer zurückziehen, ist Gefahr im Verzüge. Dennoch ist es fast an allen Küsten dieser Inseln vorgekommen, daß Mordanschläge mit Vorbedacht von den Eingeborenen, ja sogar unter raffinierter Einschläferung des Mißtrauens der Weißen durch freundliche Aufnahme und Geschenke, also mit äußerster Hinterlist, ausgeführt worden sind.
Freilich darf nicht verschwiegen werden, daß die Art, wie man mit ihnen bei Gelegenheit der Anwerbung von Arbeitern umgegangen ist, jeder Beschreibung spottet. Da sie vielfach nicht leicht dazu zu bringen waren, wendeten die Schiffsführer Gewaltmittel an, überfielen Stranddörfer nachts oder während die Männer im Kava-Rausch lagen, und raubten, wessen man habhaft werden konnte; sie brachten vorüberfahrende Fahrzeuge durch ins Wasser geworfene Dynamitpatronen zumKentern und fischten die Überlebenden auf, oder lichteten mit aller: zum Tauschhandel an Bord gekommenen Eingeborenen die Anker. Gegenwärtig erhält man Arbeiter meist nur nach sehr langwierigen Verhandlungen, ausgenommen bei besonderer: Gelegenheiten, wie Krieg — dann lasier: sich Eingeborene leicht anwerben — oder nach Angebot vor: Gewehren neuester Art, rvas für die Sicherheit der auf der: Inseln lebenden Weißer: nicht vorteilhaft ist.
Der gänzliche Mangel politischer Organisation bei den Melanesierr: tritt auch auf der: Neuer: Hebrider: hervor; die Ideale der Sozialisier: und Kommunisten, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sind hier wirklich ir: die Praxis übergegangen. Die die Ernte leitender: Häuptlinge sind wahrscheinlich mehr Verteiler als Herren, und es ist weder eir: Klassenunterschied, noch eure Abstufung des Ranges, noch eir: Hervortrete:: besonders begüterter oder durch ihre Familie hochstehender Personen bemerkbar. Wie die übriger: Südsee-Insulaner, so gehen auch die Eingeborenen der Neuen Hebrider: ar: Kopfzahl zurück, teils wegen der eingeschleppten Krankheiter:, teils wegen der Abnahme der Geburten, namentlich der weiblichen, und endlich durch Auswanderung. Außer Ambryrn und Tanna sind nur die kleiner: Inseln noch dicht bevölkert.
2. Are Hslmelanesier.
Die Fidschi-Insulaner.
Während sich die Neuhebridier und Neukaledonier nur ir: weniger: Eigentümlichkeiten, z. B. den: abweichender: Schädelbau und der: bienenkorbartiger: Hütte::, vor: der: Eingeborener: des übriger: Melanesien unterscheiden, nehmen die jetzt noch sehr zahlreicher: Fidschi-Insulaner als hauptsächliche Vertreter der Ostmelanesier eine so eigentümliche Stellung eir:, daß sie einer besonderer: Besprechung bedürfe::.
Die Eingeborenen der Fidschi-Inseln sind nach Ansicht der besten Ethnologen Melanesier, aber der am weitesten nach Südoster: vorgeschobene, wahrscheinlich zuerst eingewandert Bestand- teil dieser Völkergruppe, und werden jetzt als Ostmelanesier mit der: Neukaledonier:: und der: Bewohnern einiger Inseln der Neuer: Hebrider: zusammengefaßt, besonders wegen ihrer überaus hohen, langer: und schmalen Schädel (vgl. S. 285). Durch ihre Vorpostenstellung nahe und zwischen der: Tonganern, Sarnoanern und Maori sowie anderer: Polynesiern (von Uea, Futuna und Notuma) sind sie aber mit polynesischem Blut und polynesischen Anschauungen weit mehr durchtränkt worden als alle übriger: Melanesier und rage:: vor allein ir: geistiger Beziehung weit über ihre melanesischen Vrüder hinaus. Notuma hat besonders Vanua Levu, die Tonga-Gruppe die südöstlicher: Fidschi-Inseln mit polynesischem Einfluß durchsetzt, der um: wieder dem europäischer: weicher: muß, desser: Fortschritte sich z. B. in der Thatsache ausspricht, daß nahezu alle 120,000 Fidschi-Leute wenigstens äußerlich Christen geworden sind.