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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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VII. Die Bevölkerung.

und ein Glaube an das Fortleben nach dem Tode vorhanden. Polygamie ist allgemein, die Stellung der Frau niedrig, ihre Lage nicht beneidenswert. Musik ist sehr beliebt, und originell sind manche Tanze, wie der Duk-Dnk auf Nenpommern (vgl. unten, S. 300). Die Toten werden mit besonderem Gepränge bestattet und in verschiedener Weise behandelt. Teils werden die Vornehmeil in der Erde beigesetzt, teils einbalsamiert und unter Bäumen in einen Rinden- ballen eingenäht aufgestellt. Verbrennt man sie, was oft erst nach langer Zeit geschieht, so sammelt man die Asche, oder man sucht auch die Knochen zusammen und setzt diese besonders bei. All vielen Stellen werden, wie in Polynesien, die Begräbnisorte geradezu zu Kultstätteu: daun eutwickeln sich über den Gräbern tempelartige Gebäude.

Die politischen Verhältnisse leiden so sehr an Zersplitterung, daß jedes Dorf unab­hängig voll dem anderen zu sein scheint. Voll Staatenbildung kann deshalb nirgends die Rede .sein; auch die Häuptlinge haben nur selten großeil Einfluß, doch gibt es in Neukaledonien Stünde, einen bevorrechteten, ähnlich wie in Polynesien, und das rechtlose niedere Volk. Infolge der politischen Zerrissenheit ist auch das Gewirr der Sprachen so groß, daß oft jedes einzelne Dorf seine eigene Sprache oder wenigstens seinen eigenen Dialekt hat, was das Fortkommen in den so wie so schon schlecht zugänglichen Jnlandsgebieten außerordentlich erschwert.

1. Die West-Wetanesier.

Die Bewohner Neuguineas.

Die Bevölkerung Neuguineas macht wahrscheinlich weit über die Hälfte der Gesamt- bevölkerung Melanesiens aus. Geuaueres anzugebeu, wird freilich noch auf längere Zeit hin un­möglich sein; vielmehr werden alle Zahlen auf Schätzung beruhen müssen, die allerdings oft erheblich voneinander abweichen, je nachdem bei der Schätzung eine gut bevölkerte öder eine nur schwach besiedelte Gegend der Berechnung zu Grunde gelegt wird. So kommen z. B. die englischen Quellen auf Grund einer genügenden Besiedelung der Umgegend von Port Moresby zu der hohen Zahl von 2,500,000 Einwohnern. Wollte man anderseits die Volksdichte in den deutschen Teilen Neuguineas als Maßstab nehmen, so ergäbe sich eine Gesamtbevölkerung von nur ungefähr einer halben Million für ganz Neuguinea. Nach Zöller's Vermutungen liegt die Zahl der Bewohner der ganzen Insel zwischen V 2 und 1 Million, und damit stimmt die Angabe Supan's überein, deren Ziffer 837,000 etwa in der Mitte zwischen den genannten Grenzwerten steht. Supan rechnet auf Deutsch-Neuguinea 110,000, auf Britisch-Neuguinea 489,000, auf Niederländisch-Neuguinea 238,000 Bewohuer, woraus sich eine Volksdichte von im ganzen nur 1,1 ergibt, in den deutschen und holländischen Teilen nur 0,6, im britischen Gebiet 2,1. Dazu kommt, daß das Land auch soust sehr ungleich bevölkert ist. Im deutschen Schutzgebiet z. B. hat das Küsteugebirge nur wenige, das höhere Innere fast gar keine Bewohner, die Niederung des Kaiserin- Augusta-Flusses sehr viele Dörfer. Im Süden zwischen dem Fly-Fluß und der Milne-Bai soll die Volksdichte nach MacGregor vielfach auf 5, ja auf der Halbinsel nördlich der Milne-Bai sogar auf 38 steigen. Besonders dicht sind aber die d'Entrecasteaux-, Trobriand-Inseln und Loui- siaden bevölkert, deren Volksdichte im Mittel 3,9 beträgt. Über die holländischen Besitzungen sind wir noch auf ältere Mitteiluugen angewiesen, wonach die Dichte kaum größer ist als im deutschen Gebiet. Auch dort wechseln gut besiedelte Gebiete (Geelviuk-Bai) mit fast menschenleeren Stri­chen, zu denen wir den größten Teil des Inneren der holländischen Besitzungen rechnen dürfen. Da die Bewohner Neuguineas im ganzen genommen den oben (S. 285) geschilderten Typus haben, so sollen hier nur noch einige Bemerkungen über unsere Schutzbefohlenen papuanischen