Zeitschriftenband 
[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
302
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Teil, unbedeutende Arme nur spärlichen Gewinn davontragen. Nach Jahren werden die Schädel der Häuptlinge ansgegraben, gereinigt und mit Kalk und roter Erde bemalt aufbewahrt. Auch das gibt wieder Veranlassung zu mehrtägigen Festen. Zum Zeichen der Trauer bemalt sich sämt­liche Verwandtschaft nebst den Angehörigen mit schwarzem Schlamm aus Nuß und Öl; je näher man dem Toten stand, desto intensiver auf dem ganzen Körper, die entferntere Sippe im Gesicht allein. Man trauert eine Woche bis zu einen: Jahre und darüber.

(!. Die Bewohner der Salomonen und Neuen Hebriden.

Die Bewohner der Salomonen, Santa-Cruz-Jnseln, Banks-Jnseln und der Neuen Hebriden sind zwar der melanesischen Völkergruppe noch zuzurechnen, scheinen jedoch, je weiter man von Nordwesten nach Südosten vorschreitet, desto mehr polpnesischem Einfluß unter­legen zu sein. Bereits die Atollreihe der nordöstlich von den Salomonen liegenden Koralleninseln (Ongtong Jawa und Sikayana) wird von echten Polpnesiern bewohnt, und auch Tukopia, zwi­schen den Banks- und Santa-Cruz-Jnseln, beherbergt polpnesische Einwanderer. Demselben Einfluß begegnet man bereits auf den englischen Salomonen, dagegen sind die deutschen Salo­monen noch von ganz rein gehaltenen Melanesiern bewohnt. Ja, es scheint sogar, als ob auf diesen Inseln die Papuas ihre vorzüglichste Ausbildung als Nasse auszuweisen hätten.

Die Salomonier werden schon von den Reisenden der früheren Jahrhunderte als große, kräftige Gestalten von mächtigem Körperbau, großen: Selbstbewußtsein und deutlichen: Kraft­gefühl geschildert. Daher imponieren sie den: Europäer viel mehr als ihre Stammesgenossen in Neupommern und Neuguinea. Von diesen unterscheiden sie sich durch die etwas dunklere, neger- ähnliche Hautfarbe, die als ein dunkles Schwarzbraun, fast als Granschwarz bestimmt worden ist, sowie durch einen anderen Geruch. Die Kleidung ist bei beiden Geschlechtern ebenso unent­wickelt wie in: übrigen Melanesien, sie gehen vielmehr völlig nackt, sind bartlos und tragen ihr Haar mäßig lang (s. Abbildung, S. 303), ältere Leute in Form kleiner Zöpfe. Halsbänder, Armbänder und Narbenzeichnungen sind der Schmuck, der hier anscheinend gegen die hochge­schätzten Waffen zurücktritt. Bogen und Pfeile, die sie sehr gut zu gebrauchen wissen, Speere und prachtvoll geschnitzte Holzkeulen sind die wichtigsten davon. In: südlichen Teil der Gruppe sind nach Gnppy die Eingeborenen in: Durchschnitt 5 Fuß 4 Zoll englisch hoch, unterscheiden sich merkwürdigerweise auf den einzelnen Inseln durch die Schädelbildung und tragen viel Haar. In manchen Dörfern sollen sogar ungewöhnlich stark behaarte Bewohner wohnen, die wegen ihres verräterischen, tückischen und gefährlichen Wesens viel schwerer zu behandeln seien als die übrigen.

Die Frauen sind, entsprechend der freimütigeren Anlage des Volkes, zutraulicher als in Neuguinea, zugleich besser genährt, weil augenscheinlich besser gestellt, aber weniger mit Arbeit belastet, und deshalb körperlich schöner. Auch sie sind fast völlig unbekleidet, haben aber einen nicht weniger selbstbewußten und energischen Charakter als die Männer. Leider leiden sehr viele Eingeborene an den: Tokelau-Ringwurm, der verbreiterten Krankheit der Südsee. Das Haar wird nicht, wie in: Bismarck-Archipel, gebeizt, sondern natürlich schwarz gelassen, auch fällt das häßliche Schwarzfärben der Zähne weg.

Kein Volk der Südsee hat in: Verkehr mit den Weißen einen so schlechten Ruf erhalten wie die Salomonier, aber auch auf keiner Inselgruppe scheinen die Arbeitswerber derartige Aus­schreitungen begangen zu haben. Ganz abgesehen von der Erregung, in die die Salomonier durch Raub ihrer Angehörigen versetzt worden sind, ist ihnen freilich Wildheit, Hinterlist und Neigung zu räuberischen Anfällen, zu kriegerischer Bethätigung eigen, und das ist einer der Gründe, weshalb Ansiedelungen auf diesen Inseln noch fehlen. Außerdem hat natürlich die hier