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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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III. Oberflüchengestalt.

Mit zehn kleinen Inseln auf seinem Riffe liegt nördlich von Tahiti das Atoll Tetuaroa. Gegen Westen dagegen erblickt man von Papiti aus die in wilden, zerrissenen Formen empor- starrende Insel Eimeo oder Morea, an Gestalt ein Herz mit zwei tiefen Einschnitten (an der Nordküste), dessen Spitze nach Süden gekehrt ist. Von dem oben durchbrochenen, 922 m hohen Berge Tamarnlofo verlaufen die Höhenzüge nach Nordwesten und Nordosten und entsenden eine Reihe von reich bewässerten Thälern besonders nach der Nordküste. Hier liegt zwischen nackten seltsamen Felswänden bei dem Hafen Papetoai eine gut bebaute Alluvialebene. Die merkwür­digen zackigen Formen von Eimeo, die senkrecht abfallenden Felswände, ihrer kraterähnlichen Einsenkungen und die dichten dunkeln Wälder ihrer Thäler werden im Reisebericht der ,Novarcü gerühmt.Viele der hoch emporragenden Bergspitzen und Felsabhänge hatten das Aussehen von Ruinen kolossaler, mit Türmen, Zinnen und Schießscharten versehener Schlösser und Burgen." Umrahmt von einem frischen und fruchtbaren, baumbedeckten Küstenstreisen, ist die westlichste der Inseln im Winde, Tapamanoa, ein basaltisches, 50 m hohes Hügelland.

Ein tiefes Meer scheidet sie von den Inseln unter den: Winde, deren nächste ,Huahinck etwa 90 km entfernt liegt. Durch einen tiefen Einschnitt, der den guten Hafen Effari-Roa bildet, wird Hu ah ine (s. die beigeheftete TafelDie Insel Hnahine in: Tahiti-Archipel") in zwei Teile ge­teilt: Groß- und Klein-Huahine, deren Verbindung jetzt durch einen Kanal vollständig aufgehoben ist. Beide Inseln entbehren trotz ihres basaltischen Grundstockes der phantastischen Bergformen, im nördlichen Groß-Hnahine liegt am Fuße des heiligen Berges Mauatabu der See Maewa. Eine fruchtbare Küstenebene umzieht die gesamte Insel, deren Berge fast noch näher an das Meer herantreten als in Tahiti.

Raiatea ist eine der höheren Inseln der Gesellschaftsgruppe, besitzt sie doch nahezu 600 m hohe großartige, stark durchfurchte steile und rauhe Berge. Die Wildheit dieser vulkanischen Massel: wird jedoch bedeutend gemildert durch die reiche Bewässerung, durch Wasserfälle und durch die üppige Vegetation, die als frischer erquickender Wald die Insel umzieht und nur in der Höhe kurzem Grase, Moosen und Sümpfen Platz macht. Eine ziemlich breite Küstenebene um­gürtet das Ganze. Sowohl Raiatea als auch die benachbarte Insel Tahaa, ein schönes waldiges und wild geformtes Eiland, wird in: weiteren Umkreis von einem großen Barrierriff umschlossen. Borabora imponiert durch einen großartigen Doppelgipfel, Pahia, von 1000 m Höhe, auf dessen Hochfläche eine 60 m hohe Pyramide von scharfer turmartiger Form auffällt; das Ganze ist offenbar ein alter Vulkan, dessen Krater nicht mehr zu erkennen ist. Maupiti besitzt ebenfalls einen Berg von der Form eines alten Vulkans von 250 m Höhe, ist gut bewaldet und anmutig, leidet aber Mangel an frischem Wasser.

Tubai (oder Motniti), ein Atoll mit zwei längeren, schmalen Eilanden über dem Riff Lord Howe (oder Mopiha), sowie endlich Scilly und Bellingshausen (oder Ururutu), kleinere Atolle von gefährlicher Lage für die Schiffahrt, schließen die zum Tahiti-Archipel gehörigen Jnselchen ab.

11. Die Warquesas-Ansein.

Wiederum von der Paumotu-Gruppe ausgehend, finden wir im Norden eine Gruppe hoher Inseln: die schon 1595 von Mendana entdeckten, 1774 von Cook wieder aufgefundenen und seit­dem von zahlreichen Seefahrern (d'Urville, Krusenstern u. a.) besuchten Marquesas-Jnseln. Zu beiden Seiten des 10?südl. Breite, von 141138,60westl. Länge sich in der Richtung von Nordwesten nach Südosten erstreckend, zerfallen sie in zwei durch eine breite Meeresstraße von­einander getrennte Gruppen: eine nördliche von sieben und eine südliche von fünf Inseln. Im Süden liegen: Fatnhiwa, Motane, Tahuata, Hiwaoa und Fetu-Hugn; im Norden dagegen: Uapoa, Uahuga, Nukahiwa, Motu-Jti, Hian, Fatu-Huhu und die Koralleninscl Clark.