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III. Oberflächengestalt.
geringeren Humusschicht und zeitweilig auftretender Hungersnöte dennoch die Marshall-Inseln durch ihre reichere Vegetation. Zwar werden Brotfruchtbaum und Pandanus hier bereits etwas seltener; dafür sind aber die Wälder von Kokospalmen so dicht und häufig, daß Grasland und Gesträuch zurücktreten.
Am nördlichsten liegen Makin und Butaritari; dann folgen Maraki, Apaiang und Tarawa, die größte Insel der Gruppe, die ihr deshalb auch eine ihrer Benennungen verliehen hat. An sie schließen sich an: Maiana, wie die vorhergehenden stark bevölkert, hierauf Kuria, Arauuka und Apanama, Nonuti und Tnputeuea und endlich die südlichsten: Peru, Nukunau, Onoatoa, Ta- mana und Arorai, die kleiner, aber immer noch reich besiedelt und dicht bewohnt sind. Die nördlichste, Butaritari oder Groß-Makin, hat eine 46 m tiefe Lagune, Marakei ist fast gänzlich geschlossen und nur durch einen Kanal geöffnet, und auf Apaiangs Ostseite hat sich ein zusammenhängender Landstreifen angesetzt.
Abseits von der Gilbert-Gruppe liegen isoliert im Westen die hohen Inseln Banaba und Pleasant oder Nawodo, unter deren Grundgebäude, gehobenem Korallenkalk, wahrscheinlich ein vulkanischer Kern steckt. Banaba, im Norden schroff, hat in der Mitte einen Berg, ist aber im Süden flach und eben. Des 60—70 in hohen Nawodo oder Nauro dichte waldartige Kokos- palmenbestände, die sich von dem Strand aus wie zwei Ringe ausnehmen, leiden unter sehr ungleichmäßigem Regenfall: bisweilen bleibt zwei bis drei Jahre lang aller Regen aus. In der Mitte der Insel liegt eine Lagune voll süßen Wassers; das Innere ist ganz mit Busch bewachsen. Ein 150 — 300 m breites Riff umgibt die seit 1888 deutsche Jusel.
L Polynesien.
Südlich und östlich von den Gilbert-Inseln beginnen Polynesiens zerstreute Insel- schwärme. Zu Polynesien gehören die sämtlichen Inseln zwischen lO" nördl. Breite und 29° südl. Breite, und östlich vom 180. Meridian, über den nach Westen hinaus nur die Ellice-Juseln vorspringen. Diesen entgegengesetzt liegt als äußerster Vorposten noch östlich der Osterinsel Salas-y- Gomez in 105° westl. Länge; die große Gruppe der Hawaii- oder Sandwich-Inseln im Norden schließen wir von Polynesien aus. Somit fallen folgende Inselgruppen in unser Gebiet: 1) die Ellice- oder Lagunen-Gruppe, 2) die Phönix-Inseln, 3) die Tokelau- oder Union-Inseln, 4) die isolierten Inseln zwischen den Ellice- und Tonga-Inseln, 5) die Tonga-Gruppe, 6) die Samoa- Gruppe, 7) die Cook- oder Hervey-Juseln, 8) die Tubuai-Juseln, 9) die Gesellschafts- oder Tahiti- Gruppe, 10) der Paumotu-Archipel, 11) die Marquesas, 12) die Manihiki-Gruppe und 13) die äquatorialen pazifischen Sporaden; im ganzen 13 Gruppen mit Flächeninhalt von zusammen 9755, mit Rotuma 9791 gkm.
Vou allen diesen Archipelen bestehen nur vier vorwiegend aus hohen Inseln, nämlich die Samoa-, Tahiti-, Tubuai- und Marquesas-Gruppen. Diese mache:: zusammen allein 5711 gkm, also mehr als die Hälfte des Gesamtareals von Polynesien, aus. Lediglich Korallenbauten sind dagegen die Ellice-, Phönix- und Tokelau-, die Manihiki-Jnseln und die äquatorialen Sporaden; fast nur Korallenbildungen enthalten die Paumotu- und die Cook-Jnseln, während die Tonga- Inseln zu gleichen Teilen in hohe und niedere, vulkanische und Koralleninseln zerfallen.
Eigentümlich und gemeinsam ist sämtlichen Gruppen eine an Zahl der Arten geringe, nach Osten zu abnehmende Flora, eine sehr ärmliche Landfauna und schließlich ein einheitlicher Volksstamm. Da das Verbreitungsgebiet der Polynesier im Westen die Ellice-Jnseln noch mit umfaßt, werden diese hier zu Polynesien und nicht, wie es vielfach geschieht, zu Mikronesien gerechnet.