Zeitschriftenband 
[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
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III. MerMchengestalt.

-V. Das australische Festland.

Wie wir gesehen haben, bilden das Festland von Australien drei selbständige Teile: eill Tafelland im Westen, im Osten ein Tiefland mit daraus sich erhebenden Antikordilleren und ein großes Faltungsgebirge. Das Innere und der Westen sind ein welliges, 200600 m hohes Tafelland, die östlichen Ebenen liegen meist unter 200 m Höhe, die östliche Gebirgsumwallung erreicht im Mittel 600 1200 m, mit ihren höchsten Gipfeln über 2000 m Höhe (s. die bei­geheftete KarteFluß- und Gebirgssysteme Australiens").

1. Das Tafelland des Westens und des Inneren.

Die Zusammensetzung von Westaustralien haben wir bereits kurz erwähnt. Die archäischen und metamorphischen Gesteine: Gneis, Schiefer, Quarzite, Granitoide und Granatfelsen, wurden bisher hauptsächlich von der Südwestecke beschrieben, der Norden aber für eine weite Sandfläche gehalten. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß diese ältesten Gesteine im Südwesten nur in den tieferen Thaleinschnitten entblößt sind, im Inneren dagegen fast alle Bergketten bilden, die meist nur von einer dünnen Decke von Wüstensandstein überlagert sind. Kambrium und Silur vertreten wahrscheinlich versteinerungsarme Schiefer, Kalksteine, Sandsteine, Quarzite, Konglomerate; doch ist dies nicht sicher festgestellt. Erst von den: Devon und Unterkarbon an lassen sich sichere Schlüsse aus das Alter der Schichten machen. Trias und Jura sind allem Anscheine nach nur schwach ver­treten; dagegen scheint sich die Kreideformation in Gestalt von Kreidekalken mit Feuersteinen, Sandsteinen, Konglomeraten und Thonen, die zum Teil Landbildungen sind und allmählich in den Wüstensand stein des Inneren übergehen, weithin auszudehnen. Eine genauere Gliederung der mesozoischen Formationsreihe wird jetzt angebahnt. Vielleicht sind auch die kristallinischen Korallenkalke der Nullarbor-Ebene an der Großen Australischen Bucht der Kreide zuzurechnen oder doch höchstens alttertiär, eocän. Die sehr verbreiteten Korallenkalke der Steilküste zwischen den: Greenough-Flnß und der Sharks-Bai sind wahrscheinlich untcrtertiären Alters. An Quar- tärbildungen sind Küstenablagerungen mit rezenten Tierresten erwähnenswert, die auf einen Rück­zug des Meeres in neuerer Zeit deuten. Charakteristisch für den Westen Australiens stich ferner große Sandebenen von oft 3050 Irm Durchmesser, mit Sandkörnern, die durch eisenhaltigen Thon zusammengekittet sind und bei der Zerstörung des Wüstensandsteins oder aus den: Meeres­sande der Küsten entstehen. Die auf ihnen angesiedelte Vegetation ist gering, aber doch nicht