Pitcairn.— Die Tahiti-Gruppe.
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namentlich von der See aus betrachtet, von einer wunderbaren Wirkung auf den Beschauer; aber der Boden ist weit entfernt, fruchtbar zu sein, und die einzigen Produkte sind Mais und Bataten." Kokospalme und Brotfruchtbaum sind erst durch die europäischen Ansiedler eingeführt worden. Daß diese übrigens nicht die ersten menschlichen Bewohner waren, davon legen ein gewichtiges Zeugnis die Bildsäulen und Grabdenkmäler ab, die, ähnlich wie auf der Osterinsel, Kunde geben voil früherer Kultur. Entdeckt wurde Pitcairn 1767 durch Carteret; die Zahl der Bewohner betrug 126 im Jahr 1890.
10. Die Tahiti-Gruppe oder die Gesellschcrftsinsekn.
In der Verlängerung der südlichen Paumotu nach Westnordwesten hin liegen die Tahiti- oder Gesellschaftsinseln, zwischen 155 und 148" westl. Länge und 16 und 18" südl. Breite. Scholl früh aufgefunden und oft besucht, darf die Gruppe trotz zahlreicher Beschreibungen doch noch nicht als wissenschaftlich genügend bekannt gelten. 1606 wurde sie voll Quiros entdeckt, 1767 voil Wallis, 1768 von Bougainville wiedergefunden und danach vor allem dadurch bekannt, daß Cook ihr von 1769 an mehrfache Besuche abstattete, 1769 auf Tahiti den Venus- durchgang beobachtete, 1773 die Insel als Stützpunkt für seine antarktische Kreuzfahrt wählte und 1777 abermals dort Aufenthalt nahm. 1789 wurde sie von Bligh, 1797 von Wilson untersucht und dann häufig beschrieben: 1823 voll Duperrey, 1826 von Beechey, 1829 vonMoeren- hout, 1830 von Waldegrave, 1835 von Fitzroy und Darwin, 1836 voll Bennett und 1839 von Wilkes. Seitdem ist sie besonders durch die Missionare und durch die Franzosen, die sie 1880 unter ihren Schutz gestellt haben, bekannt gemacht worden.
Die Gesellschaftsinseln erhielten ihren Namen voil Cook zu Ehren der Königlichen Gesellschaft (Noyal Society) in London; doch bürgert sich mehr und mehr der eingeborene Name der früher Otaheiti genannten Hauptinsel Tahiti für die ganze Gruppe ein. Diese umfaßt 14 Eilande und wird ill zwei Abteilungen zerlegt: die 9 westlichen kleinen Inseln unter dem Winde und die 5 östlichen größeren über dem Winde. Zu dieser zweiten gehört die größte Insel, Tahiti, deren Areal mit der Nachbarinsel Eimeo oder Morea zusammen 1179 glcm, das ist mehr als zwei Drittel des Gesamtareals der gesamten Schar (1650 glcm), umfaßt. Zu der östlicheil Abteilung gehören außer den beiden genannten noch: Maitea, Tetuaroa und Tapamanoa oder Maiaoiti (auch Tobuai-Manu- oder Saunders-Insel genannt); zu der westlichen Abteilung zählt man: Huahine, Raiatea, Tahaa, Borabora, Tubai oder Motu-iti, Maupiti, sämtlich hohe vulkanische Inseln, und dann noch die Atolle: Mopiha- oder Lord-Howe-Jnsel, Scilly und Bellingshausen oder Ururutu. Der Größe nach ordnen sie sich in folgender Reihe: Tahiti 1042, Raiatea 194, Morea 132, Tahaa 82, Tapamanoa 73, Huahine 34 und Borabora 24 glcm; alle übrigeil zusammengerechnet enthalten einen Flächenraum voll 69 gkm.
Mit Ausnahme der westlichsten flachen Atolle sind die Eilande durchaus bergig, vulkauisch und zum Teil sehr hoch: so erreicht auf der Hauptinsel Tahiti der Orohena 2236, der Aorai 2064 und auf Klein-Tahiti oder Tahiti-iti der Niu 1324 m. Das Gestein ist vulkanisch, Trachyt, Dole- rit, Basalt; auch kommen einige erloschene Krater vor. Gewaltige Wände, nadel- und turmartige Zacken zeichnen die hohen Gipfel aus, so daß diese überaus pittoresken Inseln unbedingt den landschaftlich schönsten der ganzen Südsee zugezählt werden dürfen. Schluchtenartige Thäler sind in die jäh abfallenden Berge eingesenkt, deren Spitzen zu erreichen außerordentlich schwer ist, da ihre Steilheit die Ersteigung fast unmöglich macht.
Roter Thon, ein Verwitterungsprodukt der vulkanischen Felsen, lagert auf den Höhen, schwarze Humuserde erfüllt die Thäler. Ein breites, hier und da durch die Vorspränge der Berge
Länderkunde, Australien und Ozeanien. 11