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111. Oberflüchengestalt.
Die ganze Gruppe erhebt sich aus tiefem Meeresgrund auf einem unterseeischen Rücken, unterscheidet sich aber van vornherein van den meisten Cook-Jnseln dadurch, daß sämtliche Eilande durchaus vulkanisch und demgemäß hoch und bergig sind. Während dort nur eine vulkanische Insel vorkommt, finden mir hier in der Tubuai-Gruppe umgekehrt nur eine Korallenbildung, nämlich die im Nordmesten gelegene Sandinsel Narurota oder Hüll; dagegen umgürten Strandriffe auch die vulkanischen Inseln.
Die westlichste hohe Insel, Nimitara geheißen, ist nur 10 gkm groß, aber 100 m hoch, fruchtbar und von 250 Menschen bewohnt. Rawaiwai oder Wawitoo (66 gkm) hat steile, nach Osten und Westen abfallende Berge, die die höchsten der ganzen Gruppe sein sollen. Die größte Insel des Australarchipels, Tubuai, besteht aus zwei durch eine Landenge miteinander verbundenen bergigen Teilen, deren Küstenland trocken, aber durch anschließende Sümpfe von den Bergen geschieden ist. Cook berichtet in seiner,Weltreise^ von diesen: Eiland: „So klein auch die Insel ist, so hat sie doch Berge von beträchtlicher Höhe. Am Fuße dieser Berge sind schmale Ebenen, die rings um sie her gehen und wieder mit einem Rande von weißem Sande umgeben sind. Einige steile, felsichte Stellen ausgenommen, sind sie mit Gras oder anderen Kräutern bewachsen, und auf ihrem Gipfel sieht man hier und da zerstreute Baumgruppen. In den Thälern hingegen sind häufigere Pflanzungen, und der flache Rand ist mit hohen, starken Bäumen von verschiedenen Gattungen bedeckt, wovon wir aber nichts als einige Kokos- und Etoa- oder Keulenbüume (Oasuarirm egnisetifolm) unterscheiden konnten."
Rurutus 400 m hohe Berge werden von einer fruchtbaren Küstenebene mit isolierten, sonderbaren Korallenfelsen umgeben; die weitere Umsäumung bewirkt, wie bei den meisten anderen Tubuai-Jnseln, ein Strandriff. Die kahlen Bergspitzen der 50 gllm großen Insel lassen diese, nach Aylic Marin (,Die Cook- oder Hervep-Jnselill: ,Globus^, 1850), „im ersten Augenblick als ganz unfruchtbar erscheinen, um so mehr, als man die Klippen, welche sich hoch erheben, weither aus dem offenen Meere erblickt. Wenn man sich aber der Insel nähert, so erblickt man gut bebautes Land." Alle diese Tubuai-Jnseln scheinen basaltisch zu sein.
Etwas abgesondert von der Hauptreihe liegt unter 27 , 5 " südl. Breite und 144° westl. Länge südöstlich von dem gefährlichen Osborne- oder Nelson-Riff die bestbekannte aller Tubuai-Jnseln, Rapa oder Oparo (42 gllm). 1791 von Vancouver entdeckt, wird sie jetzt von 196 Menschen bewohnt und von Besuchern wegen ihrer Schönheit gepriesen. Ihre höchst malerischen Bergformen gleichen romantischen alten Schlössern und Türmen, tiefe Schluchten durchfurchen sie, und die bis zu 622 m Höhe ansteigenden Spitzen umkleidet frische Vegetation. Doch läßt die Üppigkeit der Pflanzenwelt gegen Osten schon auf diesen Inseln merklich nach: nur noch selten kommen Kokospalmen und Brotfruchtbäume vor, kleine Gesträuche, Farne und Gräser überwiegen, ja, weite Strecken der Berge der östlichen Tubuai-Jnseln sind ganz baumlos.
9. Are "DaumoLu-Znsetn.
Als östlichste Gruppe aller polynesischen Inseln dehnen sich die Paumotu- oder Niedrigen Inseln zwischen 149 und 1240 westl. Länge, also über 25 Längengrade und, zwischen 14 und 240 südl. Breite, über 10 Breitengrade in ostsüdöstlicher Richtung Zu beiden Seiten des 20. Pa- rallelkreises aus. Sie sind von fast allen Seefahrern, die den östlichen Teil der Südsee durchführen, gesehen und besucht worden und haben demzufolge verschiedene Namen erhalten. Bou- gainville nannte sie den „Gefährlichen Archipel", Fleurieu, dein Beispiel Le Maire's und Schou- ten's folgend, das „Böse Meer", Krusenstern die „Niedrigen Inseln"; die Händler kannten sie