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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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Die Gilbert-Inseln.

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erreichen wir dann die bekannteste von allen: Jalnit oder Dschalut. Ihre Bedeutung ruht in der wichtigen Rolle, die sie als zentraler Handelsplatz für Mikronesien und Westpolpnesien spielt. Von den 55 Eilanden, die sich um die schöne Lagune gruppieren, sind die meisten zwar unfruchtbar und wüst, sechs andere dafür aber so stark bewohnt wie keins der anderen Atolle der Marshall- Jnseln (s. untenstehende Abbildung). Kili, Namerik und Ebon schließen die Ralikreihe ab und zeichnen sich durch die größte Fruchtbarkeit unter allen aus; leider ist Kili vor nicht langer Zeit durch eiuen Orkan arg mitgenommen worden.

Die Ratak-Reihe beginnt mit dem unbewohnten Taongi oder Gaspar Nico, das weit außerhalb der übrigen Gruppe unter 150 nördl. Breite liegt. In der eigentlichen Reihe sind die nördlichsten Atolle (Vikar, Udirik und Taka) wie in der Ralik-Linie unbedeutend und wenig frucht­bar, daher auch nur schwach bevölkert, nach Süden zu uimmt aber der Anbau zu. Auf Mejit und Ailuk wächst bereits alles, was die Marshall-Jnseln überhaupt hervorbringen können. Aller­dings sind die nun folgenden: Jemo, Likieb, Wotja, Otdia oder Nomanzoff und Erigub wieder

Ein inikronesisches Atoll. (Nach I. Dana.)

trockener und öder, dagegen gehören Maloelap, Aur und namentlich Majuro und Arno zu den begünstigtsten der ganzen Gruppe. Die Lagune von Majuro hat bis zu 50 m Tiefe. Das letzte Atoll im Süden der Ratak-Reihe, Mili, erstreckt sich bis über 6° nördl. Breite hinaus, doch reicht die Nalik-Reihe sogar bis gegen 4° nördl. Breite heran.

4. Iie HWert-Inseln.

Die Gilbert-, Kingsmill-, Tarawa- oder Line- (d. h. Äquator-) Inseln, die letzte zu Mikronesien gerechnete Gruppe, wurden mit den Marshall-Jnseln zugleich entdeckt und meistauch von denselben Seefahrern besucht, habeu jedoch keine so große Schar von deutschen Gelehrten, Offi­zieren, Kaufleuten und Missionaren angezogen wie jene. Nnr Finsch hat 1880 eine Durchsuchung der Gruppe vorgenommen. Die Aufnahmen stammen von Duperrey 1823 und Hudson 1841.

Die 18 Gilbert-Inseln (430 gkm) erstrecken sich zwischen 167 und 177« östlicher Länge und zwischen 3° nördlicher Breite und 5° südlicher Breite in nordwestlicher Richtung, wiederum aus eiuem untermeerischen Höhenrücken, und haben mit den Marshall-Jnseln Entstehung und Gestalt im großen Ganzen gemeinsam. Sämtlich niedrige Koralleninseln und meist Atolle, unterscheiden sie sich von den Marshall-Jnseln eigentlich nur dadurch, daß ihre Risse etwas höher über den Meeresspiegel emporragen, etwa bis zu 7 m. Anch übertreffen sie trotz ihrer