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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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III. Oberflüchengestalt.

Babeltaob), die Karolinen Z)ap, Nnk, Ponape und Kusaie, und unter den Marionen Guam, Nota und Seypan. Eine üppige Vegetation von Kokospalmen und I^iens-Arten umkränzt den Strand und die Lagunen, in deren Nähe der Wald, besonders auf den vulkanischen Inseln, deren zersetzter Boden sehr fruchtbar ist, den Charakter des Urwaldes annimmt; dagegen bietet der Korallenkalk viel spärlicheren Humus. Brotfruchtbäume, Pandanus, Bananen und Sagopalmen sind die wich­tigsten Nahrungspflanzen. Die Tierwelt dieser Inseln ist im Gegensatz zur Flora meist arm, namentlich an Landsäugetieren und Landvögeln. Die Bewohner bilden eine Mischung von Poly­nesien: und Papuas, und zwar walten, je weiter wir nach Osten kommen, desto mehr die ersten vor, von deren Typus die Mikronesier weniger abweichen als von dem der Papuas.

1. Are Marianen oder Ladronen.

Die nördlichste Gruppe Mikronesiens und überhaupt sämtlicher Südsee-Archipele, mit Aus­nahme von Hawaii, ist die 1521 von Magalhäes entdeckte und wegen der diebischen Natur ihrer Einwohner Ladronen (Diebs-Jnseln) genannte Jnselreihe; 1668 von den Spaniern besetzt, er­hielt sie nach der Witwe Philipps IV. den Namen Marionen.

Die Marionen erstrecke:: sich in Form eines leicht gekrümmten, nach Westen offenen Bogens zwischen 145 und 146" östl. Länge von dem 21. bis zum 12. nördl. Breitengrade und hängen eher mit den vonJapan aus gen Süden laufenden Bonin-Jnseln, mit denen sie ein unterseeischer Rücken genügend verbindet, als mit den Karolinen zusammen, von denen sie durch eine gewaltige Tiefe (bis zu 8400 m) getrennt sind. Ihr fast durchaus vulkanischer Charakter läßt sie als eine die Vereinigung zwischen den Bonin-Jnseln und den Karolinen anstrebende Vulkanreihe erscheinen, deren eruptives Material wahrscheinlich einer nach Süden verlaufenden Spalte entquollen ist.

Man darf eine nördliche kleinere und eine südliche größere Reihe von Eilanden unterscheiden; jene umfaßt Farallon de Pajaros, die Uracas, Asuncion, Agrigan, Paygan, Guguan, diese die Birdinsel, Seypan, Tinian, Rota und Guam. Von dem 1140 qkm umfassenden Flächenraum entfallen nur etwa 200 auf die nördliche, 940 qllm dagegen auf die südliche Reihe. Die Marianen sind bergige, bis zu 800 in hohe, mit Laven, Aschen, Schlacken und Kratern bedeckte Inseln; Farallon, Paygan und Alamagan besitzen sogar noch thätige Vulkane, und das vulkanische Ge­stein hat sogar in: südlichen Teile des Archipels den umgebenden Korallenkalk durchbrochen. Gute Häfen sind selten, Erdbeben und heiße Quellen häufig. Trotz reichlicher Bewässerung, fruchtbaren Bodens und üppiger Vegetation ist die Tierwelt sehr arm.

Von den nördlichen Marianen, sämtlich kleinen, waldbedeckten Eilanden, besteht Sarigan aus einem einzigen, 600 m hohen, oben abgerundeten Kegel, das bis 700 m aufsteigende Ala­magan entsendet beständig Rauchsäulen, und Agrigan, aus Laven und Schlacken erbaut, ist wüst, unbewohnt, aber kraterlos. Assongong oder Asuncion ist ein 639 m hoher Vulkan mit tiefdurchsurchten Gehängen und periodischer Thätigkeit: 1786 kahl und erloschen, 1819 in: Sol- fatarenzustand, 1827 mit Vegetation bekleidet, aber 1865 wieder von Aschen bedeckt.

Die Uracas sind anscheinend erloschen, Farallon ist dagegen thätig. Farallon de Pajaros, dieVogelklippe", besteht nach den Berichten des damaligen Kapitäns zur See, jetzigen Admirals Knorr (,Annalen der Hydrographie^, 1876),aus einem nach allen Seiten bis zum Krater regelmäßigen Aschenkegel von 260 m Höhe und braungrüner Farbe, dessen Grundfläche auf aus­gebrannten schwarzen Lavafelsen, welche auf den: gehobenen Urgestein lagern, ruht. Selbstver­ständlich ziert kein Baum und kein Strauch diesen einsamen Vulkan, dessen an: Fuße des Kegels sich fortwährend ergänzende heiße Asche und Lava nur von Millionen von Seevögeln zum Aus­brüten ihrer Eier benutzt wird. Auch hoch oben tummelten sich dieselben Schwärme von Vögeln