Zeitschriftenband 
[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
Seite
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steigt es langsam zu einen: westlich verlaufenden Zuge auf, dem Kronprinzen-Gebirge, das gegen die Kaiserin-Angusta-Bai auslänft. Ein kraterartiger Berg von etwa 2500 m Höhe ragt im Südosten über die kegeligen und knppigen Berge der Kette empor, wahrend im Nordwesten ein noch thätiger Vulkan von ähnlicher Höhe, der auf den Shortland-Inseln Bagana genannt wird, den Höhenzug abschließt. Durch einen niedrigen Sattel ist er jedoch mit der zweiten nordwestlichen Gebirgskette der Insel, dem Kaisergebirge verbunden, das in: Balln, wie oben erwähnt, 3100 m, nach Zöller jedoch nur 1800 m erreichen soll. Der Nordosten und Noroen der Insel ist flach, mit Korallenriffen umgeben und von Mangroven umsäumt.

Der König-Albert-Snnd oder die Buka-Straße trennt Bongainville von Buka, einer lang­gestreckten, nördlich in: Kap Henpan den 5? südl. Breite erreichenden Insel, den: letzten Glied in der Kette der Salomonen. Im Westen von einen: Barrierriff begleitet, bildet Bnka in: Süden ein etwa 200 m hohes Hochland von vulkanischen: Ursprung, das an zwei Stellen 350 und 400 m hoch ist und wegen der Unsicherheit beim Reisen noch kaun: bekannt ist. Über die flache, waldige, aus Korallenkalken gebildete Ebene des Nordens dagegen ist Parkinson in: Jahre 1888 gezogen. Der Königin-Cnrola-Hafen schneidet hier in das nördliche Ende der Insel ein.

Unter 4 V 2 O südl. Breite liegt die Korallengrnppe der Grünen oder Nissan-Inseln, auch Hardp genannt, ein in: Osten, Westen und Süden geschlossenes, in: Norden drei Eingänge bie­tendes Atoll mit großer Lagune. Der gelblichrote, aus den: verwitterten Korallenkalk entstandene Boden ist flach und gut bewaldet. Diese' Eilande können als letzte Ausläufer der die Salomonen in: Nordosten begleitenden Reihe von Koralleninseln angesehen werden.

6. Der Wsmarck-Archipel.

Unter dem Namen Bismarck-Archipel saßt man seit 1885 die zwischen 142 und 1540 östl. Länge einerseits und den: Äquator und 7 ? südl. Breite anderseits liegenden Inselgruppen nordöstlich von Neuguinea, nordwestlich von den Salomonen zusammen. Dahin sind zu rechnen: die beiden großen Inseln Tombara oder Neumecklenburg (früher Neuirland) und Birara oder Neupommern (früher Neubritannien), ferner Nenhannover, Neulauenburg oder die Duke-of-Aork- Gruppe, die Hibernischen Inseln, die Fead-Gruppe, St. Matthias- und Stnrminsel, die Admirali­tätsinseln, die Ninigogruppe und die vulkanischen Inseln vor der Nordküste von Neuguinea. Die Gesamtgröße des Bismarck-Archipels beträgt nach der einen Berechnung 47,100 gkm, nach einer anderen 52,177 c^ivin; davon nimmt Neupommern allein mehr als die Hälfte, Neumecklenburg etwa ein Viertel ein, während sich der Rest auf die kleineren Inseln verteilt.

Wahrscheinlich haben schon die Spanier in: 16. Jahrhundert auf der Fahrt von den Mo- lukken nach Mexico einige Teile des Bismarck-Archipels entdeckt. Genauere Nachrichten haben jedoch nach flüchtigen Berührungen durch Le Maire und Schonten (s. Abb., S. 6 n. 7) 1616 und Tasman 1643, erst die Engländer und Franzosen im 18. Jahrhundert gebracht: Dampier durch- fuhr 1700 die Neupommern von Neuguinea trennende, nach ihm benannte Straße, und Carteret lehrte 1767 die Thatsache des Vorhandenseins zweier Hauptinseln durch die Befahrnng des St. Georgs-Kanals kennen. Die darauf folgenden Unternehmungen von Bongainville 1768, Hunter 1791, d'Entrecasteaux 1792 93 und d'Urville (s. Abb., S. 19) 1827 haben so wenig zur genaueren Erforschung der Inseln beigetragen, daß noch bei der deutschen Besitzergreifung über den Verlauf der Küsten von Neupommern die größte Unklarheit herrschte. Zahlreiche Aus­nahmen der Küsten sind seit 1882 durch Finsch, deutsche Kriegsschiffe und die Beamten der Neu­guinea-Kompanie erfolgt, allein noch jetzt ist z. B. der größte Teil der Nordostküste Neumecklen- burgs ungenau, teilweise überhaupt gar nicht bekannt, und die an der Nordküste Neupommerns