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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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III. Oberflächengestalt.

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paläozoischen Alters bestehende Eilandgruppe. Die östlichste, aus einen: größeren östlichen und einen: kleineren westlichen Abschnitte zusammengesetzte Insel, der Große König, erreicht 300 m Höhe; die beiden anderen: der 200 m hohe Ostkönig und der 100 m hohe Westkönig, werden durch die Klippenreihe der Prinzen-J::seln miteinander verbunden. Die Vegetation ist ziemlich durstig, auf dem Großkönig bildet der Theebaum 38m hohe Gehölze, dem Ostkönig verleiht der Pukabanm (Merzcka Linelairii) ein fast tropisches Aussehen, der Westkönig ist ein steiler, fast nackter Fels. Als 1643 die Drei-Königs-Jnseln von Tasman entdeckt wurden, waren sie bewohnt. Später aber sind sie verlassen worden und haben auch jetzt keine Bewohner.

Die 44 hlrm große, zwischen Neuseeland und Nenkaledonien gelegene Norfolk-Jnsel ist ein 317m hohes, über Korallenknlk aufsteigendes Eiland mit anmutigen fruchtbaren Thälern und üppiger Vegetation i/Vranearia, lOiorminm tenax und saxicku), das von einer Ratte,

einen: Flugbeutelhörnchen und einigen eigentümlichen Vögeln bewohnt wird. Die noch näher an Australien, westlich von: 160. Grad östl. Länge gelegene, 1788 entdeckte Lord-Howe-Jnsel wird auf ihrer Westseite von einem großen Riff begleitet und besteht aus Basaltbergen, die in: Süden zu 865 m, in: Norden zu 218 m und in der Mitte zu 126 m ansteigen. Zwischen den Bergen liegt ein aus Korallensand aufgebautes Flachland. 1834 wurde die Insel besiedelt, und zugleich wurden Schweine, Ziegen und Katzen eingeführt. Für den Ackerbau eignet sich die Insel aber nicht, um so besser dagegen für die Fischerei. In der Pleistocänzeit scheint die Lord- Howe-Jnsel noch mit Australien verbunden gewesen zu sein.

Nördlich von Neuseelnnd, auf halbem Wege nach Tonga, liegen die 1788 entdeckten, 1840 und dann wieder 1878 besiedelten Kermadec-Jnseln (33 glrm) unter 178° westl. Länge und 3128° südl. Breite. Sie sind sämtlich vulkanisch. Die südlichste, Esperance, ist ein nackter Fels, die beiden Curtis-Inseln besitzen im Solfatarenzustande befindliche Krater, Macaulay ist eine steile, 238 m hohe Insel, und auf der nördlichsten, Raoul oder Sonntags-Insel, findet sich ein 525 m hoher, steilwandiger Krater, in dem 1872 ein Ausbruch stattfand, und zwei Seen. Das Gestein, Augitandesit und Basalt, trägt auf Raoul einen an neuseeländische Verhältnisse erinnernden, aus Netrosiäsros xolMorxim, Eisenholzbäumen, Palmen und Farnbäumen zusammengesetzten Wald, während die übrigen Inseln nur mit Gras und Gebüsch bewachsen sind. Mais, Kartoffeln und Bananen gedeihen auf allen gut; bewohut ist nur Raoul.

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0. Melanesien.

Unter dem Namen Melanesien, der von der dunkeln Farbe der diese Inseln bewohnenden papuanischen Bevölkerung hergenommen ist, versteht man eine Anzahl von Archipelen, die einen großen Bogen um die Nordostseite Australiens beschreiben (vgl. oben, S. 35) und für Reste eines früheren Festlandes gehalten werden. Zu Melanesien gehören: Neukaledonien mit den Loyaltp- und Chestersield-Jnseln, die Neuen Hebriden, die Banks- und Santa-Cruz-Jnseln, die Salomonen und der Bismarck-Archipel, ferner im Nordwesten Neuguinea mit den ihn: benachbarten kleinen Inselgruppen (Louisiaden, D'Entrecasteaux, Aru und Geelvinkbai-Jnseln) und endlich im Südosten die etwas außerhalb des Bogens gelegenen Fidschi-Inseln. Das Gesamtareal beträgt 953,848 (Mu, ist also etwa anderthalbmal so groß als Österreich-Ungarn; ohne Neuguinea und die Fidschi-Inseln umfaßt Melanesien aber nur 145,892 gkm. Alle diese Inseln sind gebirgig, teilweise stark vulkanisch und werden von Korallenriffen umgeben. Die dichte Bewaldung, die Unzugänglichkeit der Bergketten, die einheitliche Bevölkerung und die geringe Bodenkultur ist, trotz der ausreichenden Bewässerung und großen Fruchtbarkeit, allen den Inseln gemein.

Von Südosten ausgehend, besprechen wir zuerst die Fidschi-Inseln.