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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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111. Oberflüchengestalt.

3. Die Weuen Kebriden, die Danks- und Torres-Dnsekn.

Wie Neukaledonien ein Stück eines Gebirgsbogens ist, der den Ostrand Australiens um­gürtet, und dessen Fortsetzung vielleicht einst in Neuguinea erkannt werden wird, so verläuft von den südlichsten Neuen Hebriden bis nach Neuhannover und St. Matthias, vielleicht bis zu den Admiralitäts-Inseln des Vismarck-Archipels, ein in zahlreiche Teile zerstückelter, aber einstens wahrscheinlich geschlossener Bogen. Diesen: Bogen gehöre:: an: die Neuen Hebriden, die Banks­und Torres-Inseln, die Santa-Crnz-Jnseln, die Salomonen, Neumecklenbnrg, Neuhannover und St. Matthias. Gemeinsam ist allen diesen Eilanden nordwestliche bis westnordwestliche Streichrichtung, bedeutende Länge bei geringer Breite, felsige, vulkanische Natur und üppige Vegetation bei großen: Wasserreichtum.

Die Neuen Hebriden erstrecken sich in nordnordwestlicher Richtung von 22V213" südl. Breite und I66V2169° 50^ östl. Länge. Ihr Areal beträgt 13,227 tjkm, was ungefähr der Ausdehnung des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin entspricht. Ihre Zahl ist bedeutend. Zu der kleineren Südreihe gehören die Inseln Aneitpum, Eronan oder Futuna, Tanna, Erro- mango; zu der größeren Nordgruppe Mallikolo und Merena oder Espiritu Santo in: Westen, Efat, Api, Ainbrym, Araga, Aoba, Maiwo in: Osten, ferner die Banks- und Torres-Inseln.

Die Neuen Hebriden bestehen zum größten Teile aus jüngeren vulkanischen Fels arten, D. Levat hat aber Spuren eines älteren Grundgebirges und alter Eruptivgesteine, freilich nur auf den nordwestlichen, größten Inseln Mallikolo und Espiritu Santo gefunden. Hier kommt ein feinkörniger grauer Gneis mit Bänken von harten: kristallinischen Kalkstein vor, die von einem, den: neukaledonischen ähnlichen Syenit und von mächtigen Porphyrgängen durchbrochen sind. Da daneben auch Grünsteine und Amphibolite bekannt geworden sind, darf man mit Recht auf das Vorhandensein einer aus alten: Schiefergebirge und Eruptivgesteinen bestehenden Unter­lage schließen. Diesem Grundgebirge gehören auch die Erzlager, vor allen: die Kupfer- und Schwefeleisenlager von der Bargillat-Bai auf Mallikolo, den: Kap Lisburn und der Reede von Pussey auf Espiritu Santo und Api an; außer den genannten Metallen kommen auch Nuckel und ein wenig Gold, in den Vulkanen Schwefel vor. Mallikolo und Espiritu Santo haben ein höheres Alter als die übrigen, jnngvulkanischen Inseln. Schon in der abweichenden Richtung ihrer Längsachsen spricht sich ein Unterschied aus: Mallikolo und Merena streichen nach Nordwesten, während die Reihe der vulkanischen Inseln nordnordwestlich zieht. Übrigens sind auch auf Espiritu Santo und Mallikolo junge Eruptivgesteine häufig; thätige Krater finden sich jedoch nur auf den östlicheren Inseln, und die Zahl der thätigen Vulkane ist nicht mit Sicherheit bekannt. Levat betrachtet Tanna, Lopevi und Ainbrym als solche; von anderen wird noch Erromango hinzu­gerechnet, das außer vulkanischen Gesteinen auch viel Korallenkalkstein zu besitzen scheint.

Die südlichen Hebriden erinnern mit ihren: roten Boden, ihrer welligen Oberfläche und den lichten Gehölzen an gewisse Teile Neukaledoniens (vgl. oben, S. 105). Sie besitzen zwar einen weniger fruchtbaren Boden, aber ebendeshalb ein gesünderes Klima als die mit allzu reichen: Humus ausgestattete, dichtbewaldete, nördliche Reihe. Außerdem zeichnen sie sich durch eine lebhafte vulkanische Thätigkeit aus. Allerdings ist Aneitynm ruhig und erloschen, auf Tanna und Erro­mango aber sind die Vulkane noch thätig: auf Tanna stößt der kahle, 350 m hohe Aschenkegel Josur oder Asur, ähnlich wie der Stromboli, fortwährend Lavabomben aus.

Die südlichste Insel, Matthew, ist ein kegelförmiger, 142 m hoher, von einen: mächtigen Basaltgange durchsetzter Tuff-Felstn, an dem, wie auch auf der 300 m hohen Hunter- oder Fearn-Jnsel, Geiser und Dampfquellen vorkommen. Aneityum steigt an der Westseite in den: