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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
Entstehung
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Neuseeland. Die Südinsel.

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L. Die Neuseeland-Gruppe.

Zwischen 167 und 1780 östl. Länge und 47 und 34° südl. Breite erhebt sich, 1800 1900 IM von dein australischen Festland entfernt und durch ein 5000 in tiefes Meer von ihm getrennt, die Doppelinsel Neuseeland mit eurer Reihe von kleinen Nebeninseln, die zusammen als Neuseeland-Gruppe bezeichnet werden. Im ganzen umfaßt diese Gruppe ein Areal von 271,067 cslrm; auf die Südinsel entfallen davon 153,796 cstcm, aus die kleinere Nordinsel 115,165 hkm, auf die Chatham-Inseln 971, auf die Norfolk- 43, auf die Kermadec- 33 und auf die Lord-Howe-Jnseln 16 cMn. Ferner umfassen die Bonnty-Inseln 13 gllm, die Anti­poden- 52, die Auckland- 852, die Campbell- 183 und endlich die Macquarie-Jnseln 440 (stvin. Bereits auf Seite 44 wurde erwähnt, daß ein großes Faltnngsgebirge die Doppelinsel durchzieht. Auf der Nordinsel ist es durch großartige vulkanische Ergüsse jüngeren Alters großenteils ver­deckt; auf der Südinsel tritt es unverhüllt hervor.

1. Are KüdrnseL Neuseelands.

Die Südinsel, das Tewahi-Punamu der Maori, erstreckt sich in Form eines Rechtecks von Südsüdweften nach Nordnordosten und wird ihrer ganzen Länge nach von einem hohen Fal­tungsgebirge durchzogen, das viel höher als die Australische Kordillere ist und im Monnt Cook die bedeutende Höhe von 3768 m erreicht. Durch Fr. v. Hochstetter, Julius von Hnast, Hutton und I. Hector sind wir über den Bau des Landes, durch v. Lendenfeld außerdem über die Oro- graphie des Gebirges der Südinsel gut unterrichtet. Nach den Angaben dieser Forscher nimmt ^ den ganzen Westen der Südinsel ein archäisches Gebirge ein, dessen Bestandteile Gneis und alter Granit sind; auf der Westseite sind diesen Gesteinen nur geringe Schollen paläozoischen Alters aufgelagert, nach Osten dagegen folgt auf die archäische Zone eine breite paläozoische, in der die höchsten Gipfel der Südinsel liegen. Von hier aus senkt sich das Hochgebirge ostwärts zu einer langen Synklinale von mesozoischen Schichten, aus denen noch paläozoische Sättel hervortauchen. Ein breiter Streifen tertiären Landes, durchbrochen von jüngeren Eruptivgesteinen, und alluviale Geröllebenen schließen an der Ostküste die Reihe der Ablagerungen ab. Das ganze Gebirge streicht gegen Nordosten und verschwindet, in zahlreiche Halbinseln und Inseln aufgelöst, an der Cook-Straße unter den: Meere; in: großen und ganzen folgen aber nach Osten hin auf die älteren immer jüngere Gesteine. Im Süden taucht ferner noch ein zweites Faltungsgebirge auf, das fast senkrecht zu dem vorigen, nämlich von Nordwesten nach Südosten, streicht und in einem offenen Bogen an das vorige anschart. Mit granitischen Gesteinen erreicht es die Ostküste an der Otago-Bai; danach folgt südwärts eine paläozoische, hierauf eine mesozoische Zone in den Hokamn-Bergen, dann abermals paläozoisches und endlich ein archäisches Gebirge, das auch die vor: der Südinsel durch die Foveaux-Straße getrennte Insel Stewart oder Nakinra bildet. Hier liegen die ältesten Gesteine dieses eigentümlichen zweiten Faltungsgebirges, dessen Auftreten neben den: anderen außerordentlich merkwürdig wäre, man müßte denn beide als Teile eines scharf gebogenen Zuges auffassen.

Die Gebirge der Südinsel sind reich an nutzbaren Mineralen: Gold, Silber, Kupfer, Chromerz, Antimon, Mangan, Hämatit und Kohlen werden gewonnen. Der Goldbergban nahm seit 1861 infolge der Entdeckung von Goldfeldern im Alluvium der Westküste einen erheb­lichen Aufschwung, blühte besonders von 186274 und ist noch immer bedeutend, doch gehen die Goldfelder der Westküste und von Otago gegenwärtig der Erschöpfung entgegen. Dagegen