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[Bd. 5] (1895) Australien und Ozeanien : eine allgemeine Landeskunde / von Wilhelm Sievers
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III. Oberflächengestalt.

Atacquarie läuft zeitweise in Sümpfen aus. Freilich führen alle diese Ströme in regenreichen Zeiten sehr große Wassermassen, die sich dann weit über die Ufer ausbreiten und dadurch eher den Verkehr hindern, als fördern. Der Darling weist außerordentliche Schwankungen des Wasser­standes sowohl im Jahre als auch im Monat auf: im Laufe eines solchen kurzen Zeitraumes bis zu 15 m. Durch trockenes, wüstes Land fließt der von der Warrego-Mündung an Calewatta ge­nannte Darling dein Murray zu und erreicht ihn mit zwei Armen bei Weutworth. Verfolgen wir den schon nicht mehr in der tertiären Ebene, sondern im mesozoischen Tafellands fließenden Warrego aufwärts, so öffnet sich uns ein interessantes Gebiet.

6. Der abflußlose Teil des Tieflandes.

Das abflußlose Gebiet des Tieflandes erstreckt sich vom Warrego und Paroo unter 145 lind 146° östl. Länge bis zum 136? östl. Länge und begreift die östlichen Zuflüsse des Eyre- Sees, den Barcoo und Warbnrton, sowie eine Anzahl kleinerer Flüsse in sich, deren Lauf in Salzsümpfen endet. Auf den Bulloo oder Blackwater Creek, der in der Bulloo-Lagune nördlich von der Grep-Kette verschwindet, folgt der größere Barcoo. Er entsteht nördlich vom 25? südl. Breite und zieht eine Anzahl von nördlich vom Wendekreis entspringenden Wasseradern an sich: den Alice-Fluß und den von Landsborough 1862 begangenen Thomson. Südlich von diesem Parallelkreise heißt der BarcooVictoria-Fluß", verbreitet sich hier in eine Anzahl von Armen, wird dann Cooper's Creek genannt und fällt als Delta mit dem Hauptarm in den Epre-See, mit dem Strzelecki Creek dagegen in den Manche-See.

Etwa unter 22" südl. Breite entspringt der zweite in den Eyre-See fallende Fluß. Im Oberlaufe heißt dieser Westernfluß, dann Mueller Creek, Diamantine Creek, Mills Creek, Eve- rard- und Warburton-Fluß; früher nannte man ihn auch Burke-Fluß. Wie der vorige, hat auch er so wechselnde Wasserstände, daß in der Trockenzeit und in Perioden der Dürre fast nie­mals Wasser im Flußbett ist, während zur Regenzeit und in nassen Jahren Überschwemmungen herrschen. MacKinlep konnte den Fluß 1862 überhaupt nicht überschreiten und mußte ihn, stets am Ostufer marschierend, bis zu den Quellen verfolgen. Diese Quellen liegen in den nicht sehr hohen, aber rauhen und wilden Kreidekalkstein- und Sandsteingebirgen, die sich von Queensland genau unter dem Wendekreis nach Westen ziehen und nichts anderes sind, als ein Teil jener großen Kreidescholle, die das ganze östliche Tiefland vom Darling bis nahe an den Carpentaria- Golf zusammensetzt. Im ganzen kaum 300 m hoch, wird diese Wasserscheide, die man den Land­rücken von Carpentaria nennt, erst dort höher, wo das archäische Grundgebirge des Inneren zu Tage tritt, wie im Observation Hill. Von diesen bis zu 700 m ansteigenden Höhen läuft der Gilliatt-Fluß nach Norden herab, während sich nach Südsüdwesten ein abflußloses Gebiet, das der Flüsse Hamilton, Burke, Herbert oder Georgina, die sämtlich in Salzsümpfen enden, hinabzieht. Auch der Mulligan Creek und der bereits aus der MacDonnell-Kette hervorkommende Hay erleiden dieses Schicksal, weil sie nicht nach dem Warbnrton durchzudrängen vermögen. Hat man die Wasserscheide des Carpentaria-Landrückens überschritten, so gelangt man in ein anderes Tiefland.

V. Das Tiefland des Carpentaria-Golfes.

Am Carpentaria-Golfe treten wieder Alluvialebenen an die Stelle des Kreidekalksteins und Wüstensandsteins. Bereits an den Quellen des Flinders-Flusses beginnt der Landrücken frischer zu werden, fruchtbarer Boden, Fülle an Wasser und schöne Vegetation stellen sich ein und breiten sich gegen den Mitchell- und Lpnd-Fluß weiter nach Norden zu immer mehr aus. Die