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III. Oberflächengestalt.
3. Das australische Tiefland.
Auf das Tafelland Westaustraliens und des Inneren folgt im Osten, zum Teil unterbrochen durch die oben erwähnten Gebirgszüge, ein großes Tiefland, das sich von Süden nach Norden über den Kontinent hinzieht. Im Norden wird es durch eine Kette von Höhenzügen, in denen die Quellen des Barcoo, Warbnrton und Flinders liegen, geteilt, und dadurch ein nördlicher Abschnitt, das Tiefland des Carpentaria-Golfes, abgetrennt. Der südliche Teil des Tieflandes ist, wenn wir ins einzelne gehen, ebenfalls nicht einheitlich, sondern zerfällt in die tertiäre Ebene des großen Murray-Darling-Stromsystems und die mesozoischen, vielfach wüsten Landschaften des Cooper-Barcoo-und Warbnrton-Gebietes. Zwischen beiden bildet ungefähr der Lauf des Darling die Grenze, dessen nördliche Nebenflüsse Warrego und Valonne noch das mesozoische Kreideland durchströmen. Eine weitere Abteilung endlich bildet das großenteils von Wüstensandstein bedeckte Land um den Eyre-, Torrens- und Frome-See, und mit diesem wollen wir unsere Betrachtung beginnen.
Die Umgebung des Eyre-, Torrens- und Frome-Sees.
Die Landschaften um den Eyre-See und östlich davon bis zur Grey- und Stanley- Kette und über diese hinaus gehören zu den ödesten Australiens, da in dieser ausgeprägten Wüste die Salzseen die einzige Abwechselung bieten. Die drei größeren davon: die Seen Gregory, Manche und Frome, sind wie der Eyre und Torrens Salzsümpfe und liegen in der Höhe von etwa 120 m auf öden, mit Salzbusch bedeckten Ebenen. In der Nähe des Torrens-Sees treten buschreiche rote Sandhügel aus der Ebene hervor, und östlich bis zum Murray-Fluß dehnt sich der Scrub aus. Auf dem Lande südöstlich von: Frome-See liegen zahlreiche kleine Seen mit salzigen: Wasser, deren Grund sich, wein: sie austrocknen, mit salzigen Effloreszenzen bedeckt; der Boden ist (nach Jung) hier völlig flach und, wo sich keine mineralischen Niederschlüge finden, glatt und hart wie eine Tenne. Darum haben die australischen Ansiedler diese Salzbecken Clay- pans (Thonpfannen) genannt. Solcher Sümpfe und Seebecken gibt es nicht wenige auch weiter südlich, so daß die Flinders-Kette mit ihren parallelen Gebirgszügen von einer Reihe von Seen oder Vertiefungen umgeben erscheint.
In diesen öden Landschaften am Ostufer des Eyre münden die Flüsse Warburton und Cooper, aber in so unvollkommener Weise, daß die Wasserläufe nur zeitweise deu See erreichen. Dennoch hat sich an: Cooper eine Art von Delta gebildet, indem er den Strzelecki-Creek durch eine trostlose Ebene nach Südwesten in den Manche-See und weiter durch diesen hindurch in den Gregory-See entsendet, während sich der eigentliche Cooper oder Barcoo den: Eyre-See selbst zuwendet. Diese von alten Seebecken, trockenen Flußbetten und Sandhügeln erfüllte Gegend ist der Lake District, eines der hydrographisch interessantesten Gebiete Australiens. Zwischen den: Cooper und deu: Warburton- (oder Burke-) Fluß dehnt sich hier die Steinige Wüste aus, die 1860 von Burke und Mills gekreuzte Great Stony Desert: eine der schlimmsten Wüsten des Kontinents, eine Steinöde in des Wortes vollster Bedeutung, doch glücklicherweise von nicht sehr großer Ausdehnung.
L. Das Murray-Darling-Stromgebiet.
Nicht viel erfreulicher sind die Bilder, die sich uns bei Betrachtung der zweiten großer: Abteilung des Tieflandes, des Murray-Darling-Systems, darbieten, denn abgesehen von der